Berlin : Berliner Zoo: Aktionäre in Aufruhr

Werner Philipp

Es ging um die alten Rechte der Aktionäre und das rief diese in Scharen auf den Plan: zur außerordentlichen Hauptversammlung ins Commerzbank-Forum an der Potsdamer Straße. Man wollte hier unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagen. Schon kurz nach elf Uhr war der rund 400 Menschen fassende Saal total überfüllt. Auf der Treppe bis zur Straße standen die Aktionäre. Ratlosigkeit machte sich breit.

Schließlich trat ein Zoosprecher ans Mikrophon: Mit so gewaltiger Teilnahme habe man nicht gerechnet, sagte er. Und bekam böses Gelächter zur Antwort. Der Zoosprecher verwies auf Feuer- und Sicherheitsgründe, unterbreitete den Vorschlag, alles zu vertagen, bis ein größeren Raum gefunden ist. Die Aktionäre zeigten wenig Verständnis. "Kleingärtnerverein!", rief einer mit hochrotem Kopf. "Wer zahlt mir die Kosten, ich bin extra aus Köln hierher gekommen?", ein anderer. Dann verließen alle, teils wutschnaubend, teils deprimiert die geplatzte Versammlung. Ein neuer Termin wurde gestern noch nicht verkündet.

Wie berichtet, droht dem Berliner Zoo der Verlust der Gemeinnützigkeit, wenn er seinen Aktionären weiterhin kostenlosen Eintritt gewährt. Damit droht dem Zoo Insolvenz. Müsse der Zoo seine Einkünfte bis ins Jahr 1994 zurück versteuern, wäre er laut Vorstand "sofort bankrott".

Hintergrund des Streits ist die Praxis des Zoos, seinen Aktionären eine Dauereintrittskarte für den Zoo zu gewähren. Diese Dauerkarten stellten eine "verdeckte Gewinnausschüttung" dar, urteilt die Finanzverwaltung. Da aber Eigentümer gemeinnütziger Unternehmen kein Gewinninteresse haben dürfen, müssten die Aktionäre entweder auf die Eintrittskarte verzichten - oder dem Zoo wird die Gemeinnützigkeit aberkannt.

Viele Aktionäre denken aber nicht daran, der verlangten Satzungsänderung zuzustimmen. Schon bei der Hauptversammlung im Mai kam es zu Tumulten. Vor der jetzt geplatzten Sitzung hat die Finanzverwaltung den Altaktionären vorgeschlagen, eine Karte für lebenslangen Eintritt zum Sonderpreis von 250 Euro zu erwerben. Weigern sie sich, geht es mit dem Tierpark bergab. "Die Existenz des 157 Jahre alten Zoos steht auf dem Spiel", heißt es in einem Schreiben des Zoos.

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