Berliner Zoo : Eine Nase tankt Super

Ameisenbär Adolpho ist die neue Attraktion im Zoo. Sein Lieblingsdrink: Hundemilch mit Fencheltee.

Sebastian Leber
Ameisenbär Adolpho
Süß, aber ein Killer: Ameisenbär Adolpho -Foto: ddp

Man muss Glück haben, wenn man ihn sehen will. Oder viel Geduld. Ein paar Mal am Tag tragen ihn die Wärter raus ins Freie, auf die Wiese hinten rechts bei den Nashörnern, oder rüber zu den Okapis. Ansonsten liegt Adolpho in seiner beheizten Box und schläft.

Eigentlich ist Adolpho keine Schönheit. Er sieht aus wie Alf, der TV-Außerirdische vom Planeten Melmac. Bloß mit dunklem Fell und einer extrem langen Zunge. Und trotzdem sagen alle, die ihn je aus der Nähe gesehen haben: Adolpho ist das niedlichste Jungtier der Welt. Mindestens. Der Ameisenbär hat – ein Jahr nach Ende der Knutshow – das Zeug zum neuen Publikumsliebling im Zoo. An Kameras ist das Tier auch schon gewöhnt, Adolpho wird in der nächsten Staffel der Zoodoku „Panda, Gorilla & Co.“ eine Rolle spielen.

Vor sechs Wochen ist der Ameisenbär zur Welt gekommen. Seine Mutter hat ihn nicht gesäugt, also wird er von drei Pflegern aufgezogen. Fünf Mal pro Tag muss er gefüttert werden, es gibt Hundezuchtmilch mit Fencheltee, mit der Pipette in den winzigen Mund geträufelt, während Adolpho hilflos auf dem Rücken liegt. Süßer geht es kaum.

Dabei ist Adolpho eigentlich ein Killer. Wäre das Tier bereits ausgewachsen und würde in freier Wildbahn durch brasilianisches Buschland streifen, müssten jeden Tag 35 000 Termiten dran glauben. Am Ende seines 20-jährigen Lebens hätte er hochgerechnet 250 Millionen Insekten verschlungen. Solche Mengen kann kein Zoo bereitstellen. Deshalb soll Adolpho später mit einem Spezialbrei gefüttert werden. Ein pampiger Mix aus Hundefutter, Rinderherzen, Quark und Torf. Kein schöner Anblick, sagt selbst Zoosprecher Ragnar Kühne, und der ist einiges gewohnt.

In ein paar Monaten kann Adolpho sein eigenes Außengehege beziehen. Solange bleiben ihm nur die kurzen Ausflüge mit den Pflegern. Die versuchen regelmäßig, ihn auf den Boden zu setzen und so die Motorik zu schulen, aber der Ameisenbär springt den Pflegern sofort ans Bein und klammert sich fest. Ein Reflex, sagt Kühne. Und eine schmerzhafte Angelegenheit für die Pfleger, denn das Tier hat scharfe Krallen. Mit denen könnte es später einen Menschen zerreißen, in Südamerika sind Tierpfleger von Ameisenbären getötet worden. Aber noch ist das Jungtier keine Gefahr.

Dass Adolpho von Hand aufgezogen werden muss, kam nicht überraschend. Seine Mutter hat vor ihm schon mehrere Jungen zur Welt gebracht, die meisten waren nach dem ersten Tag tot. Das letzte starb nach neun Tagen. An einer Nasenverletzung, die Mutter hatte sich draufgesetzt. Sebastian Leber

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