Berliner Zoo : Nächsten Monat geht’s rund

Es ist ruhig geworden um den Bau des 185 Meter hohen Riesenrads am Zoo. Ende Oktober soll nun der Baubeginn starten, den Betrieb eröffnen soll die Attraktion dann Anfang 2010. Ob der Termin eingehalten werden kann, ist fraglich.

Christian van Lessen

Sollte nicht die City-West in Bewegung geraten? Noch sieht hier alles so verschlafen aus, als würde nie ein großes Rad gedreht. Der alte Wirtschaftshof des Zoos an der Jebensstraße hinterm Bahnhof tut noch immer seine Dienste.  Keine Spur von Vorbereitungen für das Rad: 185 Meter hoch soll es werden, 36 Kapseln für je 40 Personen haben, 35 Minuten für den Dreh brauchen, elf Euro Eintritt dafür verlangen, von zwei Millionen Besuchern jährlich. Es soll 120 Millionen Euro teuer sein und 200 Menschen Arbeit geben. Schon im nächsten Jahr ist nach bisherigen Ankündigungen mit der Eröffnung zu rechnen. Soweit der Plan.

Doch wann ist Baubeginn? Und wird die Zeit nicht langsam knapp? Den ersten Spatenstich gab es immerhin bereits Anfang Dezember vorigen Jahres. Am 135 Meter hohen London Eye wurde übrigens sieben Jahre gearbeitet. In der Senatsverwaltung für Stadtenwicklung, die mit dem Projekt nichts zu tun hat, heißt es nur, es sei so ruhig geworden um das Riesenrad. Das klingt, als müsse man sich Sorgen um seine Zukunft machen. Kurator Heiner Klös vom Zoo beruhigt Skeptiker. Der Zoo ist im Zeitplan. "Wir haben eine Punktlandung gemacht“. Vertragskonform werde der Wirtschaftshof, der dem Aussichtsrad noch im Weg steht, bis Ende Oktober in seinen Neubau umgezogen sein. "Dann übergeben wir die Schlüssel an Herrn Waiser“.

Rad dreht sich bald

Michael Waiser ist Geschäftsführer der Great Wheel Berlin GmbH & Co. KG, die das Riesenrad bauen will. Der Geschäftsführer ist im Urlaub, niemand sonst in seinem Büro darf öffentlich Auskunft über den Stand geben. Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Klaus- Dieter Gröhler (CDU) darf es. Ist der alte Wirtschaftshof geräumt und übergeben, "beginnen die Arbeiten“, sagt Gröhler zuversichtlich. "Ein gutes Jahr“ würden sie dauern. Er rechne frühestens Ende 2009 mit der Eröffnung – es könne allerdings auch bis Anfang 2010 dauern.

Der Finanzierungsfonds, den der Investor für das Projekt aufgelegt habe, sei gut gelaufen, es bestünde kein Zweifel, dass sich das Rad bald drehen werde. Es sei alles rechtzeitig zu schaffen. Ein Vergleich mit Londoner Bauzeiten beunruhige ihn nicht, vielleicht hätten sie dort, meint er scherzend, zu viele Teepausen gemacht.

Mit dem Riesenrad hängt indirekt auch der geplante Bau einer privat finanzierten Tiefgarage mit rund 300 Plätzen unter dem Hardenbergplatz zusammen. Vor wenigen Tagen gab es eine erste Arbeitssitzung zwischen Bezirk und Senatsverwaltung über das Projekt, Gröhler drängte darauf, die europaweite Ausschreibung für das privat finanzierte Projekt im Januar zu beginnen, die Zustimmung des Senats steht noch aus. Es gibt verschiedene Bauinteressenten, darunter die Firma Wöhr und Bauer, die beispielsweise die Anlage unter dem Bebelplatz in Mitte errichtet hat. Ist geklärt, wer den Zuschlag erhält, wird über die Oberflächengestaltung des Platzes entschieden. Fahren sollen hier künftig nur die BVG, Reisebusse und Behindertenfahrzeuge. Mit dem Baubeginn für die Tiefgarage könne, wenn es mit der Ausschreibung planmäßig klappt, zum Ende 2009 gerechnet werden, der gesamte Platz bis Ende 2011 fertig sein.

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