Berliner Zoo : Nun ist wirklich Knut

Es ist nicht alles Eisbär, was es im Zoologischen Garten zu bewundern gibt. Neben Knut warten viele weitere Stars und Sternchen - wie der Halbaffe Mario - auf ihre Entdeckung.

Fingertier
Nach 91 Jahren wieder im Zoo Berlin: Schaufütterung eines Fingertieres. -Foto: Peters

„Das kommentiere ich nicht“, sagte gestern Bernhard Blaszkiewitz zum Schicksal der im Nürnberger Tiergarten geborenen Eisbärenjungen. „Warum sollen wir sie übernehmen“, wies der Tierpark- und Zoochef eine entsprechende Frage, ob die Berliner Experten da einspringen würden, als absurd zurück. Wie berichtet, wollen die Nürnberger eine „Knutomanie“ wie im Berliner Zoo nicht wiederholen. Sollte eines der beiden Muttertiere jetzt ein Junges verstoßen oder nicht ernähren können, will man in der fränkischen Lebkuchenmetropole nicht eingreifen: Auch in der freien Wildbahn regele sich so was von allein.

„Jeder Zoo entscheidet so etwas selbst und aus der jeweiligen Situation heraus“, sagte Blaszkiewitz. Wenn Knut nicht relativ stabil gewesen wäre, als ihn sein Muttertier Tosca am 5. Dezember 2006 wenige Stunden nach der Geburt vor der Geburtshöhle ablegte, hätte man sich auch in Berlin nicht zur Handaufzucht entschieden, sondern den Dingen ihren natürlichen Lauf gelassen. So aber schob Pfleger Thomas Dörflein das Tier mit einer Stange aus dem Käfig und nahm sich seiner an. Knut brachte es zum weltbekannten Zoo-Star mit Hollywood-Ambitionen. Dass der proppere Eisbär die Kasse klingeln lässt, weiß natürlich Bernhard Blaszkiewitz zu schätzen. Weniger schätzt er, dass der Zoo von vielen Besuchern nur noch aus der Eisbärenperspektive gesehen werde. Dabei gebe es im Zoo viel mehr zu entdecken.

So etwa das Spitzmaulnashorn Zawadi. Fünfzehn Tage nach dem kleinen Eisbären erblickte es am 20. Dezember 2006 im Nashornhaus das Berliner Licht. Ein Zuchterfolg, der im Eisbärenfieber von der Öffentlichkeit wenig beachtet wurde, was Blaszkiewitz bedauert. Gibt es in freier Natur doch weniger Spitzmaulnashörner als Eisbären, was die regelmäßige Zucht der in Tansania und Kenia beheimateten Tiere in Berlin so wichtig mache. Im Zoo ist Zawadi seit 1981 das 16. Exemplar, das hier geboren wurde. Vierzehn der bis zu vier Meter lang und 1 Meter 50 hoch werdenden Riesen, die in freier Natur bis zu 50 Stundenkilometer schnell laufen können, konnten erfolgreich aufgezogen werden.

Kivu heißt nach zehn Jahren der dritte Nachwuchs der Zwergschimpansin Yala, dem zoologisch ebenfalls besondere Bedeutung zukommt. Das Tier kam im Februar im Menschenaffenhaus zur Welt. Die schwarzpelzigen Bonobos oder auch Zwergschimpansen sind in ihrer kongolesischen Heimat vom Aussterben bedroht. Nicht wegen ihres ausschweifenden Sexlebens werden sie gejagt, sondern wegen ihres schmackhaften Fleisches. Im Berliner Zoo leben die „Hippie-Schimpansen“ - so nannte Affenforscherin Sally Coxe die Tiere, die für sie Ikonen für Liebe und Frieden sind - schon in der 3. Generation. Sozusagen die „Uroma“ von Kivu nahm 1975 der heutige Chef der Berliner „Arche Noah“ damals noch als studentischer Tierpfleger in Empfang.

Mario hatte im Sommer 2006 einen größeren Bahnhof. Bundespräsident Horst Köhler machte dem Aye-Aye im neugestalteten Nachttierhaus seine Aufwartung, wo sich das Fingertier aus Madagaskar als Geschenk seines Premiers für Deutschland seither tummelt. Daheim war der Halbaffe dagegen schon fast ausgerottet – erst Schutzbemühungen vor Ort und durch amerikanische und europäische Zoos retteten in den 60er Jahren die Tierart, deren Besonderheit der ungewöhnlich lange Mittelfinger ist, mit dem sie Insekten und Larven aus den Borken der Bäume puhlen. Im Zoo ist „der nette Kerl Mario“ – so Blaszkiewitz gestern über den seltenen Halbaffen – seit 1916 das erste Fingertier, das man besuchen kann. Und gerade gab es Nachwuchs bei den Kapuzineräffchen. hema

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