Berlin : Berlinerin holt Stimmen gegen Berlusconi

Marc Neller

Elisa De Costanzo bereut nicht, dass sie zur Wahl nach Rom gefahren ist – obwohl sie verloren hat. Silvio Berlusconi ist in Italien als Ministerpräsident abgewählt worden. „So etwas aus der Nähe mitzuerleben – wenn das kein Grund für gute Laune ist“, sagt sie.

Berlusconis Abwahl sei das Ziel dieser Wahl gewesen. Sie hatte noch ein zweites: Elisa De Costanzo, 49 Jahre alt, Psychologin, Wahlberlinerin seit 23 Jahren, trat als Kandidatin für das italienische Parlament an. Zum ersten Mal in der Geschichte Italiens hatten die im Ausland lebenden Italiener eigene Kandidaten aufgestellt – und durften per Brief wählen. Diese Stimmen haben die Wahl entschieden.

Vor ein paar Wochen entschied sich De Costanzo, zu kandidieren, und trat in die Senatsliste der mit Romano Prodis „Unione“ verbündeten Partei „Italia dei Valori“ ein.

Nun zieht sie doch nicht ins Parlament ein. Sechs italienische Kandidaten im Wahlkreis Europa stritten um zwei Sitze. Ein Konkurrent aus der Schweiz lag klar vorn. Obwohl Elisa De Costanzo gestern Nachmittag noch sagte, dass sie nicht damit rechne, direkt zu gewinnen, klang sie am Abend natürlich doch etwas enttäuscht. Trotzdem bescheinigt ihr Guido Ambrosino, Deutschlandkorrespondent der italienischen Tageszeitung Il Manifesto, „einen Achtungserfolg“ erzielt zu haben. Ihre Partei „Italia dei Valori“ habe in Deutschland bei rund fünf Prozent der Stimmen gelegen, während der Durchschnitt im Rest der Welt bei 2,9 Prozent lag.

Ob es für Elisa De Costanzo dennoch eine politische Arbeit in Rom geben wird? Wohl kaum, sagen Beobachter. Sie selbst sagt: „Es gibt ein paar Posten zu verteilen. Wir werden sehen, was kommt.“ Und wenn nicht? Dann, sagt sie, sei jede Stimme für sie eine gegen Berlusconi gewesen.

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