Berlin : Berlinerin unter den Todesopfern

47-Jährige aus Schöneberg wurde identifiziert. Derzeit 49 Vermisste – täglich melden sichÜberlebende

Christoph Stollowsky

Zwölf Tage nach der Flutkatastrophe in Südasien hat Berlin ein erstes Todesopfer zu beklagen: Die Polizei erklärte am Freitag, an der Identität einer im Flutgebiet tot aufgefunden Frau bestehe kein Zweifel mehr. Es handele sich um eine 47 Jahre alte Berlinerin aus Schöneberg. Nähere Angaben zu ihrer Person und zur Frage, wo sie ums Leben kam, machte die Vermisstenstelle gestern nicht.

Nach der gestern veröffentlichten Bilanz ist das Schicksal von 49 Berlinern weiterhin ungewiss, unter ihnen sind auch zwei Kinder. 55 Frauen, Männer und Kinder konnten hingegen von der Vermisstenliste gestrichen werden, weil sie sich inzwischen als Überlebende gemeldet haben. Seit vergangenem Donnerstag gab es neun „solcher freudigen Fälle“, so ein Polizeisprecher. Eine SMS oder Mail reiche als Rückmeldung allerdings nicht aus, betonte er. „Wir müssen schon selbst mit dem Betroffenen sprechen oder von Angehörigen, Bekannten oder Freunden ein sicheres Lebenszeichen ausgehändigt bekommen.“ Im Land Brandenburg gelten laut Polizei derzeit noch neun Urlauber als vermisst.

Das erste offiziell bestätigte Berliner Todesopfer wurde mit Hilfe von DNA-Spuren, einem Zahnschema und Fotos identifiziert. Wie berichtet, sammelt die Vermisstenstelle des Landeskriminalamtes solche Hilfsmittel und leitet sie an die Experten im Katastrophengebiet weiter. Zehn Berliner Kripospezialisten sollen in der kommenden Woche nach Südasien aufbrechen, um dort die immer schwierigere Identifikation der Leichen zu unterstützen.

Auch am Freitag gingen erneut Vermisstenanzeigen ein. Meist sind es Berliner ohne Angehörige, Freundeskreis oder feste Arbeitsstelle, weshalb ihr Verschwinden nicht sofort auffiel. „Die neuen Anzeigen werden aber immer weniger“, heißt es im Landeskriminalamt.

Die Polizei bittet weiterhin, mögliche Opfer unter der Telefonnummer 695799199 oder in jeder Polizeidienststelle zu melden. Das Telefon der Vermisstenstelle an der Keithstraße 30 ist werktags von 8 bis 16 Uhr besetzt. Die Senatsgesundheitsverwaltung hat überdies ein „Informationsblatt für Berliner Betroffene der Flutkatastrophe“ herausgebracht. Es liegt in Bürgerämtern, Polizeidienststellen und anderen Behörden aus.

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