Berlin : „Berlin–Moskau“: Kritik an Russland im Gropiusbau tabu?

Diskussion über den Krieg in Tschetschenien kurzfristig verlegt

Ingo Bach

Hinter den Kulissen der Kunstausstellung „Berlin–Moskau“, die derzeit im Gropiusbau zu sehen ist, gibt es politischen Streit. Hintergrund ist eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Tschetschenienkrieg im Spiegel der Medien“, die am Freitag innerhalb des Rahmenprogramms stattfinden soll. Die Organisatoren haben die Veranstaltung verlegt: vom Kinosaal des Gropiusbaus in den Otto-Braun-Saal der Staatsbibliothek. Begründung: Der Kinosaal sei zu klein für den zu erwartenden Besucherandrang. So heißt es vom Veranstalter, den Berliner Festspielen, wie auch vom Büro der zuständigen Kulturstaatsministerin Christina Weiss.

Nun erhebt einer der Co-Veranstalter, die Deutsch-Kaukasische Gesellschaft, schwere Vorwürfe. Russland habe verhindern wollen, dass eine kritische Veranstaltung zum Tschetschenienkrieg unter dem gemeinsamen Dach der Ausstellung stattfindet, sagt der Vorsitzende der Gesellschaft, Ekkehard Maass. Die Ausstellung „Berlin-Moskau“ ist eine Koproduktion unter anderem der Berliner Festspiele, die dem Bund untersteht, und dem russischen Kulturministerium. Die russische Seite habe bei der Kulturstaatsministerin interveniert, die die Verlegung angewiesen habe, sagte Maass dem Tagesspiegel. „Wir unterstützen die Forderung nach mehr Rechtsstaatlichkeit in Russland", sagt Maass. Das Ziel der Deutsch-Kaukasischen Gesellschaft sei es, dass Russland den, so Maas, „furchtbaren und menschenfeindlichen Krieg in Tschetschenien“ beende. „Das ist keine antirussische Veranstaltung.“

Tatsächlich sind die russischen Offiziellen nicht gut auf die Gesellschaft zu sprechen. Der Russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow hatte in einer Rede auf der Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik im Februar unter anderem der Deutsch-kaukasischen Gesellschaft indirekt vorgeworfen, die „tschetschenischen Terroristen" auf deutschem Boden zu unterstützen.

Die Podiumsdiskussion findet am Freitag, dem 28. November ab 19.30 Uhr statt. Ort: Staatsbibliothek, Potsdamer Straße 33, Otto- Braun-Saal, Eintritt frei

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