Berlins Bäder : Fünf Millionen - oder baden gehen

Ab 2012 brauchen Berlins öffentliche Bäder zusätzliches Geld, sonst müssen einige Schwimmhallen schließen. Ab dem Sommer erwarten Badegäste einige Änderungen: Frei- und Sommerbäder sollen allesamt privat betrieben werden.

Matthias Oloew

Seit Jahren sind die Berliner Bäder unterfinanziert, weil der Senat zu geringe Zuschüsse überwiesen hat. Der Aufsichtsrat der Bäderbetriebe fordert nun ab 2012 jährlich fünf Millionen Euro mehr. „Nur so können wir verhindern, dass sich wieder ein Sanierungsstau aufbaut“, erklärt Bäder-Vorstand Klaus Lipinsky, „der am Ende die Existenz der Bäder wieder infrage stellt.“ Jetzt ist das Abgeordnetenhaus am Zug. Das Parlament soll die zusätzlichen Millionen bewilligen.

39,8 Millionen Euro erhalten die Bäderbetriebe (BBB) in diesem Jahr als Landeszuschuss, 2009 werden es 38,6 Millionen Euro sein. Damit wird pauschal auch das unentgeltliche Schwimmen der Schulen, Kitas und Vereine bezahlt, die knapp die Hälfte aller Schwimmer in den Berliner Bädern stellen. Im Herbst hat ein 50 Millionen Euro teures Sanierungsprogramm begonnen, das bis 2012 alle Hallenbäder umfassen soll.

Der Aufsichtsrat der BBB hat in seiner jüngsten Sitzung wie berichtet entschieden, zunächst keines der 37 Hallenbäder zu schließen. Auch die seit eineinhalb Jahren stillgelegte Halle an der Lichterfelder Finckensteinallee soll instandgesetzt und wieder in Betrieb genommen werden – allerdings in einer Sparvariante: das Becken wird flacher und der Zehn-Meter-Sprungturm abgebaut. Auch in den Hallen am Hüttenweg (Zehlendorf) und auf der Fischerinsel (Mitte) soll die Instandsetzung noch in diesem Jahr beginnen. Den kompletten Sanierungsfahrplan wollen die BBB Ende Februar vorlegen.

Viel weitreichender sind die Beschlüsse für die Frei- und Sommerbäder der BBB. Alle Freibäder inklusive des Strandbads Wannsee sollen künftig ausschließlich von Vereinen oder privaten Pächtern betrieben werden. In der kommenden Sommersaison führt aber noch die BBB die Regie am Wannsee. Die Sommerbäder (wie Pankow und Prinzenbad) sollen ebenfalls an Private abgegeben oder in privat-öffentlicher Kooperation betrieben werden. Kommt es dazu, ist Berlin die erste unter den zehn größten deutschen Städten, die kein kommunal betriebenes Freibad mehr hat.

„Die Frei- und Sommerbäder sollen allesamt offenbleiben“, sagt Lipinsky, weiß aber selbst noch nicht, wie das geschehen könnte. Gleichzeitig sind es vor allem die Sommerbäder, deren Liegenschaften für die BBB besonders interessant sind. Die Betriebe werden demnächst Eigentümer der Bäder und können auf den Freiflächen und Liegewiesen Wellnesstempel, Sportanlagen oder auch Supermärkte entwickeln, deren Pacht dann in den Unterhalt des jeweiligen Bades fließen könnte.

Die meisten der Hallenbad-Standorte bieten hingegen kaum Entwicklungspotenziale. Die Grundstücke sind klein, Anbauten nicht möglich, das Bad auch in Zukunft also nur mit Verlust zu betreiben. Es ist das Kennzeichen der Berliner Bäderlandschaft, dass es zwar viele Hallen gibt, die allerdings relativ kleine Becken haben. In Hamburg und München laufen seit mehr als zehn Jahren Sanierungsprogramme, die zwar dazu geführt haben, dass einige Hallen geschlossen wurden; andere konnten dafür komplett neu gebaut werden – größer, ganzjährig zu betreiben und damit wirtschaftlicher und attraktiver. Von einem solchen Sanierungsprogramm ist Berlin allerdings weit entfernt. Bisher reicht das Geld nur zum Erhalt des Status Quo. Matthias Oloew

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