Berlins Baustellen : Dahinter muss Al Qaida stecken

Flughafen-Desaster, S-Bahn-Chaos, ein Loch in der East-Side-Gallery - Harald Martensein ist sich sicher, dass zumindest einige Berliner Politiker eine bewusstseinsverändernde Substanz verabreicht bekommen.

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Hartmut Mehdorn
Hartmut MehdornFoto: dpa

Zuerst hat der Flughafen-Bauberater abgesagt, ein Spezialist, der den Karren aus dem Dreck ziehen sollte. Zu viel Chaos, zu viele Indiskretionen. Ich verstehe ja, dass es kompliziert ist, einen Flughafen zu bauen. Da kann schon mal was schiefgehen. Aber jemanden als Berater zu engagieren, das ist eigentlich einfach. Das habe ich sogar selber schon gemacht! Dass es der Berliner Regierung nicht einmal mehr gelingen wollte, so etwas Simples wie einen Arbeitsvertrag für eine Honorarkraft pannenfrei über die Bühne zu bringen, brachte mich zu der Frage: Was ist eigentlich mit euch los, Leute?

Eine rätselhafte Persönlichkeit ist zum Beispiel der Kreuzberger Bezirksbürgermeister Franz Schulz. Sie fangen an, einen Teil der East Side Gallery abzureißen, denkmalgeschützt, weltberühmt, historisch, künstlerisch und alles, letztes nennenswertes Relikt der Mauerjahre. Die Genehmigung dafür stammt, nach übereinstimmenden Aussagen des Regierenden Bürgermeisters Wowereit und des Investors, in dessen Interesse der Abriss geschieht, aus der Behörde von Bezirksbürgermeister Schulz. Der selbe Bürgermeister Schulz taucht bei der Demonstration gegen den Abriss auf und protestiert gegen eine Maßnahme, die er, offenbar, ohne es zu merken, selber angeordnet hat. Bei allem, was man gegen den früheren US-Präsidenten George W. Bush sagen kann: Er ist niemals bei einer Demonstration gegen den Irakkrieg aufgetaucht und hat mitdemonstriert, weil er vergessen hatte, dass er den Angriff selber befohlen hat.

Inzwischen bin ich sicher, dass zumindest einige Berliner Politiker eine bewusstseinsverändernde Substanz verabreicht bekommen. Da kann eigentlich nur Al Qaida dahinterstecken. Sie reißen die alten Gaslaternen ab, sie boykottieren den Luftverkehr, sie errichten gleichzeitig 20 000 Baustellen, und dann noch das Dauerproblem S-Bahn, als nächstes wird sicher die Siegessäule an Disneyland verkauft. Der Teilabriss der East Side Gallery soll Platz schaffen für die Erschließung eines Hauses und einer Brücke. Nichts gegen Häuser und Brücken. Aber hey – wenn es irgendwas in Berlin reichlich gibt, dann doch wohl Platz für Neubauten. Keine vergleichbare Stadt der Welt hat so viele unbebaute Freiflächen. Und da müssen sie ein Denkmal teilabreißen, aus Platzmangel? Würde man zum Beispiel in Giseh, in der Wüste, die Pyramiden teilsprengen, um Raum für einen Campingplatz zu schaffen? Das kommt alles von Al Qaida.

Am Ende dieser Woche war ich reif für überraschende Lösungen. Wer kann Berlin retten? Wer ist überhaupt kurzfristig verfügbar? Johannes Ponader? Berlusconi? Thomas Gottschalk? Sarkozy? Baron Guttenberg? Nein, es macht Hartmut Mehdorn. Ich wäre ja für Joseph Ratzinger gewesen.

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