Berlin : Berlins beste Ecke wird zugebaut

Der Wettbewerb ums Linden-Eck an der Friedrichstraße ist beendet: Platz und Hotel müssen weg

Fatina Keilani

Wie die Straßenecke Unter den Linden und Friedrichstraße einmal aussehen wird, steht jetzt fest. Das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp) ist mit seinem Entwurf als Sieger aus dem Wettbewerb des Investors Meag GmbH hervorgegangen. Und der sieht vor: eine Häuserzeile mit vielen verschiedenen Fassaden, dahinter tausende Quadratmeter Platz für Geschäfte, Büros, Wohnungen und ein Café.

Um das Grundstück in bester Lage hatten Investoren jahrelang gepokert und Stadtplaner ebenso lange gestritten, bis schließlich die Meag GmbH, eine Tochter der Münchner Rück, den Zuschlag bekam. Sie hatte sich mit dem bis dahin favorisierten Bieter Interhotel geeinigt. So kann sie das Hotel „Unter den Linden“ nun abreißen und die dann freien 6000 Quadratmeter zwischen Mittelstraße, Friedrichstraße und Unter den Linden bebauen lassen.

„Anstelle des Hotels und der Freifläche wird der Baublock völlig geschlossen“, sagte Architekt Volkwin Marg dem Tagesspiegel. „Das entspricht der Berliner Strategie, die Friedrichstraße in der alten Breite, Trauf- und Firsthöhe wieder herzustellen.“ Aber klotzig wirken solle das Ganze nicht. Der Komplex gliedere sich in sieben Häuser mit jeweils eigenen Fassaden und Adressen. Auf die berühmte Ecke, an der um die Jahrhundertwende das Café Victoria residierte, soll wieder ein Café.

Margs Entwurf löste beim Bauherrn Begeisterung aus. „Er ist perfekt“, schwärmte Meag-Immobilien-Chef Knut Riesmeier. Sämtliche Vorgaben seien erfüllt worden, der Bau sei hoch flexibel und nutze den Raum optimal aus. Damit habe er alle anderen weit übertroffen. Zweitplazierter wurde der Architekt Axel Schultes. Mehr als 250 Millionen Euro will der Investor, eine der größten deutschen Vermögensverwaltungen, vom kommenden Jahr an verbauen; bis 2006 etwa soll der Komplex fertig sein. Mit Problemen bei der Baugenehmigung ist nicht zu rechnen – Senatsbaudirektor Hans Stimmann und Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) waren an der Entscheidung beteiligt.

Nach Angaben der Senatsbauverwaltung soll die klassische Straßenflucht wieder hergestellt werden und der Neubau so dicht an die Straße reichen wie das benachbarte Dussmann-Haus. Als Auflage müssen die Bauherren Kolonnaden für die Fußgänger integrieren.

Der Sieg ist für Gerkan, Marg und Partner einer von vielen in Berlin. Die Hamburger bauen den Lehrter Bahnhof und das Olympiastadion, von ihnen sind das neue Tempodrom, das Ku’damm-Eck und die Dresdner Bank am Pariser Platz. Mit der Linie der „kritischen Rekonstruktion“ der Stadt verträgt sich ihr Stil offenbar. Oder wie Marg es formuliert: „Wir sind altmodische Architekten. Und wir stehen nicht auf Sektempfängen rum, sondern arbeiten.“

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