Berlin : Berlins brutalste Jugendbande vor Gericht

Gestohlen, geprügelt, Menschen gedemütigt: Sechs Araber und Türken müssen sich für jahrelange Überfälle verantworten

Jörn Hasselmann

Eine der brutalsten und gefährlichsten Jugendbanden der Stadt steht in dieser Woche vor Gericht. Am Donnerstag beginnt gegen die sechs Araber und Türken vor der 9.Großen Strafkammer der Prozess. Zwei von ihnen sind 16, drei 17, der Älteste ist 18 Jahre alt. Fünf der sechs Angeklagten stehen in der so genannten Intensivtäterliste der Staatsanwaltschaft. Drei der Angeklagten tragen den Namen der berüchtigten libanesisch-kurdischen Großfamilie El-Z. Die Staatsanwaltschaft wirft den Jugendlichen vor, „zwischen Oktober 2003 und Januar 2005 Überfälle auf überwiegend jüngere Opfer begangen“ zu haben.

Die Täter hatten Messer, Schreckschusspistolen oder Schlagstöcke dabei. Beute waren Bargeld und Unterhaltungselektronik, Kleidung und BVG-Fahrkarten. Zunächst versetzten sie ihren Neuköllner Kiez am Maybachufer in Angst und Schrecken, später raubten und prügelten sie berlinweit. Zur Anklage kommen gut 30 Taten. Die Brutalität der Täter kannte keine Grenzen. Am 18. Juni 2004 überfielen zwei aus der Bande einen 82-jährigen Rentner in Neukölln. Sie hatten beobachtet, wie Kurt M. bei seiner Bank 1200 Euro abgehoben hatte, ihn verfolgt und im Flur seines Hauses in der Friedelstraße zu Boden geschlagen und getreten. Den alten Mann ließen sie mit Brüchen und Prellungen liegen. Drei Monate später starb der 82-Jährige, er konnte sich von den Verletzungen nicht mehr erholen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist ein Zusammenhang seines Todes mit dem Überfall aber nicht zu beweisen. Die Witwe von Kurt M. sieht das anders. „Mein Mann war gebrochen. Ohne die Tat würde er noch leben“, sagte Margarete M. im vergangenen Jahr dem „Berliner Kurier“.

Die arabischen und türkischen Jugendlichen schlugen aber auch zu, wenn es nicht um Geld ging. So am 27. Mai 2004: Zwei El-Z.-Familienmitglieder schlugen einen Busfahrer der BVG zusammen, weil der sich erlaubt hatte, nach dem Fahrschein zu fragen. Nur Stunden später beschimpften und beleidigten sie in einem Zug der U7 einen Blinden: „Scheiß Blinder, kannste nicht kieken? Was für eine blöde Töle hast du da?“ Dann spuckten sie dem 60-Jährigen ins Gesicht und liefen davon.

Der behinderte Mann alarmierte die Polizei. Die nahm das Quartett fest – und ließ es am nächsten Tag wieder laufen. „Keine Haftgründe“, hieß es, obwohl der jüngste der El-Z.-Brüder schon damals als „Intensivtäter“ eingestuft war. Danach verschonten Richter die Jugendlichen noch mehrfach von der Untersuchungshaft. Der Bund deutscher Kriminalbeamter kritisierte dies mehrfach. „Haftverschonung ist wie ein Freispruch für diese Jugendlichen“, hatte der BdK-Landesvorsitzende Rolf Kaßauer im Februar gesagt.

Eine Woche, nachdem die Staatsanwaltschaft im Mai gegen die Bande Anklage erhoben hatte, wurde der Ältere der Familie El-Z. wieder erwischt. Mit zwei neuen Kumpels versuchte er, einen in einem Beerdigungsinstitut gestohlenen Tresor in ein ebenfalls geklautes Ford-Cabrio zu wuchten. Erst danach wurde ihm die Haftverschonung gestrichen.

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