Berlin : Berlins Finanzen: Sport und Erholung: DDR-Erbe als Last

kög

"Mondzahlen-Propaganda." Dietmar Bothe, Sprecher des Landessportbundes (LSB), findet deutliche Worte für den Statistik-Vergleich aus dem Hause Finanzverwaltung. Demnach gab Berlin 2001 pro Einwohner 128 Euro für "Sport und Erholung" aus - in Hamburg und Bremen waren es nur 51 Euro. Freizeitvergnügen - ein Luxus-Posten im Haushalt? Bei der Finanzverwaltung konnte man die Statistik nicht genauer aufblättern - die Sportverwaltung half aus. Schauen wir uns also die Sport-Finanzen einmal genauer an. "So, wie die Zahlen gegenübergestellt wurden, kann man sie nicht vergleichen", sagt Haushaltsexperte Franz Allert. Bei den Berliner Zahlen seien beispielsweise die Aufwendungen für die Bäder enthalten, bei der Hamburger Summe nicht.

Im Jahr 2001 umfasste der Haushaltsposten für "Sport und Erholung" 852,914 Millionen DM - 371 Millionen davon entfallen auf die Unterhaltung für Parks und Gärten in der Grün-Metropole. Die Statistik weist nun unter den Sport-Landesmitteln auch Bundesmittel aus: 188 Millionen DM fürs Olympiastadion. Zieht man sie und die Parkkosten ab, bleibt die bereinigte Summe für Sportstätten, Sportförderung und Badeanstalten - 48,60 Euro pro Kopf für Sport. Für einen stimmigen Vergleich muss man aber auch die 117 Millionen Mark für die Bäder abziehen, denn "in Hamburg zählt die Bäderland GmbH auch nicht mit."

Bleibt folgende Pro-Kopf-Zahl für Sport in Berlin: 30,92 Euro, immer noch doppelt so viel wie in Hamburg (14,70 Euro), und Bremen (13,50 Euro). Rechnete man die zentralen Ex-DDR-Sportanlagen, Sportforum und Olympiastadion heraus, wären es allerdings nur 23,20 Euro - denn diese Großanlagen, wie sie weder Hamburg noch Bremen besitzen, sind der Metropole lieb - und teuer. Betriebskostenzuschuss 2001 an "Velomax" für die Max-Schmeling-Halle und das Velodrom: 6,2 Millionen DM. Unterhaltung für Paul-Heyse-Straße und Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark: 7,1 Millionen DM. Sportforum: 20,4 Millionen DM.

Eigentlich bräuchte man Milliarden, um die je 1000 Sportplätze und Hallen zu sanieren. Sport sei "als Gewaltprävention und Wirtschaftsförderung unbezahlbar", relativiert Allert die Beträge. Die Sportförderung liegt heute für die ganze Stadt schon unter dem Betrag vor 1989 für West-Berlin.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar