Berlin : Berlin’s Finest

Andreas Conrad

Die Welt wird immer kleiner, ein schrumpfender Riese, nicht erst im Zeichen der Globalisierung. Für den Großen Kurfürsten war eine Fahrt von Berlin nach Potsdam noch eine Tagestour, die nach Magdeburg eine Weltreise, die Seefahrt nach Amerika schließlich … na egal, er hat es nie versucht. Heute ist das alles ein Klacks, und die Distanz zwischen Magdeburg und Berlin verschwimmt aus transatlantischer Perspektive zu einem vernachlässigbaren Nichts. Nur so ist es zu erklären, dass das US-Musikbranchenblatt „Billboard“ die aus Magdeburg stammende Band Tokio Hotel, neben Spreepflanzen wie Joy Denalane, Seeed, Max Raabe, Wir sind Helden und den Ärzten, zu „Berlin’s Finest“ erklärt, ausgewählt von ihrem hiesigen Korrespondenten, der es besser wissen müsste. Ja, unser kleiner Planet birgt ganz neue Tücken: Aus weiter Ferne kann man Eminem ganz leicht für einen New Yorker Rapper halten, weiß der Teufel, warum sein halb autobiografischer Film „8 Mile“ nach einer Straße in Detroit betitelt ist. Der Strand, nach dem sich die Beach Boys benannt haben? Ist gewiss der auf Coney Island. Und die Beatles? Na klar, eine Londoner Band, wohnhaft in der Abbey Road.

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