Berlin : Berlins Gaunern auf der Spur

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Sie saßen in der „Schnurrbartdiele“ und begründeten das organisierte Verbrechen in Berlin. Acht Männer trafen sich um 1890 in der Kellerkneipe an der Linienstraße in Mitte, jeder hatte mehr als zehn Jahren im Knast gesessen und genügend Erfahrung für den „Verein ehem. Strafgefangener e.V.“, den sie aus der Taufe hoben. Offiziell sollte er seine Mitglieder vor Rückfälligkeit bewahren, tatsächlich heckten sie dort gemeinsam neue Gaunereien aus – und waren somit Vorbild für weitere so genannte Ring oder Sparvereine, in denen Kriminelle in den 20ern ähnlich getarnt zusammenarbeiteten.

Das Haus ist noch heute erhalten, auch die längst verrammelte Kellertür gibt es noch. Hundert Tagesspiegel-Lesern fiel es deshalb am vergangenen Wochenende nicht schwer, sich die „Schnurrbartdiele“ vorzustellen. Sie waren Gaunern und Verbrechern bei zwei nächtlichen Bustouren auf der Spur. Unsere Mitarbeiter Carl-Peter Steinmann, ein Experte für die Kriminalgeschichte der Stadt, führte sie zu Tatorten aus den vergangenen 150 Jahren.

Der Tagesspiegel hatte die Busfahrten vorher ausgeschrieben. Sie waren eine Zugabe zur Serie – und eine Ergänzung des Stadtspaziergang 14, dessen Karte der Zeitung morgen beiliegt. Auch diesen Ausflug ins „gefährliche Berlin“ hat Steinmann zusammengestellt, er führt zu Tatorten und Stätten der Justiz, ist als Fußtour aber auf Moabit beschränkt. Im Bus ging es dagegen quer durch die Stadt – so zum Meisterstück der Panzerknacker Franz und Erich Sass am Wittenbergplatz, wo sie 1929 rund 1,5 Millionen Reichsmark aus dem Tresorraum der Disconto-Gesellschaft erbeuteten. Oder zum Salon Kitty in der Charlottenburger Giesebrechtstraße, ein Gestapo-Bordell: Agentinnen horchten dort ausländische Gesandte im Bett aus. CS

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