Berlins größte Synagoge : Ein Rabbi für die Rykestraße

Seit Jahrzehnten war die Stelle des Gemeindeoberhaupts nicht besetzt. Nun wurde Boris Ronis berufen. Er ist den Gläubigen bereits bestens bekannt.

2007 wurde in der Synagoge in der Rykestraße mit einem Gottesdienst die Wiedereröffnung gefeiert.
2007 wurde in der Synagoge in der Rykestraße mit einem Gottesdienst die Wiedereröffnung gefeiert.Foto: picture-alliance/ dpa

Berlins größtes jüdisches Gotteshaus, die Synagoge Rykestraße, bekommt nach 30 Jahren Vakanz wieder einen Gemeinderabbiner. Die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin habe am Mittwochabend Rabbiner Boris Ronis einstimmig auf die Stelle berufen, teilte die Gemeinde am Donnerstag mit. Der Gemeindevorsitzende Gideon Joffe sprach von einem „längst überfälligen Schritt“. Mit der Berufung Ronis’ werde diese jahrzehntelang unbesetzt gebliebene Stelle künftig wieder bestens ausgefüllt, erklärte Joffe.
Der 1975 in Czernowitz (Ukraine) geborene Ronis hatte bereits als Gastrabbiner in der Synagoge Rykestraße amtiert. Er freue sich sehr auf eine weiterhin erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Gemeinde- und Synagogenvorstand und vor allem auf die Beter und Beterinnen der Synagoge Rykestraße, sagte der Rabbiner. Er wolle sich verstärkt für den Ausbau der Angebote für Kinder und Jugendliche einsetzen.

Synagoge Rykestraße: 1938 in Brand gesetzt, 1953 und 2004 restauriert

Ronis, der seit 1980 in Deutschland lebt, studierte an der Universität Potsdam Jüdische Studien, Religionswissenschaften und Slawistik. Parallel dazu absolvierte er eine Ausbildung zum Rabbiner am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam. Einen Teil seiner Ausbildung absolvierte er in Israel. Der Rabbiner ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Die 1904 eingeweihte Synagoge Rykestraße gehört im Judentum der liberal-konservativen Richtung an. In der Pogromnacht von 1938 wurde sie in Brand gesteckt, wegen der Gefahr für die umliegenden Wohngebäude wurde das Feuer aber schnell wieder gelöscht. Noch bis 1940 konnten darin Gottesdienste abgehalten werden. 1953 wurde die einzige Synagoge Ost-Berlins erstmals restauriert. Die zweite umfassende Sanierung gab es zwischen 2004 und 2007. Heute gibt es in der Synagoge 1200 Plätze. Im Oktober wurde bekannt, dass die Terroristen des NSU sie als mögliches Anschlagsziel ausgespäht haben sollen. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin ist mit etwa 10.000 Mitgliedern die größte jüdische Gemeinde Deutschlands. (epd)

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