Berlin : Berlins Kliniken werben um Kranke aus dem Ausland

Initiatorin rechnet mit tausenden finanzkräftigen Patienten pro Jahr

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Berlin wirbt verstärkt um wohlhabende ausländische Patienten, die in den Kliniken der Stadt behandelt werden sollen. Dazu haben sich bisher sieben Krankenhäuser und zehn Vier und Fünf-Sterne-Hotels zusammengeschlossen, um unter dem Namen „First Class Aid Berlin“ ein Rund-um-sorglos-Paket für reiche Kranke und ihre Angehörigen zu schnüren.

Diese spezielle Offerte für reisende Kranke werde über Reisebüros in Russland, Vertretungen in arabischen Staaten und auch über die Berlin Tourismus Marketing (BTM) vermarktet, sagt Ingeborg Schwenger-Holst, Initiatorin der Aktion und General Managerin der Klinik für Minimalinvasive Chirurgie in Nikolassee (MIC). Schwenger-Holst rechnet mit jährlich mehreren tausend Patienten, die so nach Berlin geholt werden könnten. Und die brächten eine Menge Geld mit; „das wäre ein starker Wirtschaftsfaktor für Berlin“. Die Hauptstadt habe gerade auf diesem Gebiet noch einiges nachzuholen. So versorgten die Berliner Kliniken derzeit gerade mal ein Zehntel der ausländischen Patienten, die sich in München behandeln ließen.

Die beteiligten Krankenhäuser, wie das MIC, das Deutsche Herzzentrum im Wedding oder das Gertraudenkrankenhaus in Wilmersdorf, haben sich auf gemeinsame Mindeststandards neben der medizinischen Versorgung geeinigt. Dazu gehören zum Beispiel englisch- und russischsprachige Ärzte und Schwestern sowie ein Shuttle-Service für die Patienten vom Flughafen zur Klinik und zum Hotel. Ebenso respektieren die Kliniken kulturelle Besonderheiten ihrer Gäste. Arabische Kranke werden prinzipiell nur von Ärzten gleichen Geschlechts behandelt und natürlich richtet man die Küche auf ihre Ansprüche aus, so werden zum Beispiel vegetarische Gerichte für Inder serviert und kein Schweinefleisch für Muslime.

Für die Behandlung sollen die Kliniken das gleiche Geld kassieren, wie für die Versorgung von deutschen gesetzlich Versicherten, sagt Schwenger-Holst. „Unsere Preise sind absolut konkurrenzfähig.“

Das Angebot, das gerade anläuft, soll im Mai noch erweitert werden. Dann will „First Class Aid Berlin“ auch niedergelassene Ärzte mit einbeziehen, die im Notfall ausländische Touristen versorgen, die schon in Berlin sind. „Wenn diese mal einen Arzt brauchen, dann erfahren sie über eine Hotline, welcher Doktor ihre Sprache spricht und kurzfristig helfen kann“, sagt Schwenger-Holst. Diesem „Call a doc“-System hätten sich bereits 40 Ärzte angeschlossen. Ab Mitte Mai soll die Hotline freigeschaltet sein. I.B.

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