Berlin : Berlins Kultur hat eine neue Linie

BVG-Busse fahren ab dieser Woche stündlich zu den Schätzen der Museen. Im Fahrpreis von 18 Euro ist der Eintritt inbegriffen

Christoph Stollowsky

Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer“ schaut vom BVG-Doppeldecker-Bus auf Berlins Straßen herab, nebenan blüht Monets „Feld mit Klatschmohn“, und darunter steht: Top Museums-Tour. Unübersehbar und mit Gemälden geschmückt rollen von Dienstag an zwei BVG-Doppeldeckerbusse als neue „Museumsringlinie“ zu fünf Standorten der Staatlichen Museen durch die Stadt. Wer mitfährt, kann an einem Tag den „Goldhut“ im Museum für Vor- und Frühgeschichte und Helmut Newtons Kamerakunst im Museum für Fotografie bewundern, Nofretete auf der Museumsinsel besuchen, am Kulturforum durch die Gemäldegalerie bummeln und zum Abschluss Richard Longs „Berlin Circle“ im Hamburger Bahnhof erleben.

Für 18 Euro pro Person steigt man ein und muss dann bis zum Abend kein Museumsticket und keine weitere Fahrkarte mehr bezahlen: „Das ist jetzt unsere Tag-Variante der Langen Nacht der Museen“, sagten gestern Sprecher der BVG und der Staatlichen Museen, als sie die Busse am Kulturforum präsentierten. Die neue Tour soll eine Entdeckungsreise zu den Schätzen der Weltkultur sein, eine erste Orientierungshilfe für Berliner und Touristen, damit „ihre Begeisterung geweckt wird und sie Lust auf mehr bekommen“.

Denn der Durchschnittsberliner kennt nach einer Umfrage der Staatlichen Museen nur drei bis vier bedeutende Kunstwerke seiner Stadt, während es die Touristen zahlreicher denn je zu Berlins Kunstschätzen zieht: Seit dem Jahr 2000 kamen jährlich 15 Prozent mehr Berlin-Urlauber und in diesem Jahr erwarten die Hoteliers laut Wirtschaftsenator Harald Wolf 14,5 Millionen Übernachtungen.

Deshalb stieg der Senator bei der gestrigen kurzen Probefahrt zu. Denn er hofft, „dass diese Top-Tour noch mehr Berlin-Besucher anlockt“. Immerhin ist das neue Berliner Angebot einer Museumsringlinie im Einstunden-Takt bundesweit einmalig. Und auch international soll es Vergleichbares nur in Paris und Washington geben.

Egal, wo man die kunstbeflissene Reise beginnt, lassen sich von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, und donnerstags bis 18 Uhr mit dem Busticket fünf Stationen besuchen (siehe Kasten). Die Dahlemer Museen allerdings fehlen auf dem Fahrplan. „Das wäre zum Start nicht finanzierbar gewesen“, hieß es. Dahlem soll aber „bald dazugehören“, falls die Testphase bis Mitte Januar erfolgreich verläuft. Kommen zu wenig Fahrgäste, soll die Linie wieder eingestellt werden.

Die Idee zur Top-Museums-Tour hatte ein von Berlin begeisterter Privatmann. Werner Plötz, Inhaber der „Infobörse für Kapitalanleger“, fühlte sich angesichts der Menge von Kunstschätzen, „wie viele Bürger“, orientierungslos und begeisterte die BVG und Staatlichen Museen für das Projekt. Nun hat er sich seinen Wunsch erfüllt. Plötz will am Dienstag als einer der ersten Passagiere dabei sein.

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