Berlins letzter Weihnachtsbaum : Wie grün sind seine Blätter

Frühlingsbeginn bei Kerzenschein: Vor der Charlottenburger Kneipe "Zwiebelfisch" steht immer noch eine festlich geschmückte Tanne. Bald dekoriert der Wirt sie mit Ostereiern um.

Anna Polze
War denn heut schon Weihnachten? Bevor die BSR die Tanne abholt, schmückt sie Axel Mierwald mit Ostereiern.
War denn heut schon Weihnachten? Bevor die BSR die Tanne abholt, schmückt sie Axel Mierwald mit Ostereiern.Foto: Anna Polze

12 Grad bei Sonnenschein und Vogelgezwitscher? Nicht am Charlottenburger Savignyplatz. Hier herrscht Winterstimmung: Am Straßenschild hängt eine kleine Plastikschaukel, auf der es sich ein Puppenweihnachtsmann bequem gemacht hat. Gegenüber, am Eingang der bekannten Kneipe „Zwiebelfisch“, steht ein festlich geschmückter Tannenbaum. Kleine weiße Kerzen sowie rote und silberne Glanz- und Glitzerkugeln schmücken die Äste. Und wenn es in der Ecke windstill ist, entzündet Axel Mierwald die Lichtlein am letzten Weihnachtsbaum der Stadt.

Traditionelles Stehenlassen

„Der Baum ist doch noch viel zu schön zum Wegwerfen“, sagt Mierwald, „und er war außerdem ziemlich teuer.“ Er betreibt die Eckkneipe, in der sich seit 40 Jahren Alteingesessene, Nachbarn, Touristen und Studenten treffen. Der „Fisch“, wie ihn seine Gäste gerne nennen, ist eine feste Institution im Berliner Stadtbild. Da hat sich schon so manche Tradition entwickelt, erzählt Mierwald. Auch die mit dem Weihnachtsbaum.

„Bald hole ich die bunten Ostereier aus dem Keller“, sagt der Wirt fröhlich. „Die kommen dann an den Baum, um die Kinder ein bisschen verrückt zu machen.“ In den letzten Jahren hat Mierwald mit der Umdekoration des Baumes noch bis Ostern gewartet, aber in diesem Jahr möchte er sich nicht bis Ende April gedulden. Wer weiß, ob der Baum so lange durchhält. Schön grün und voll sollte er schon noch sein, wenn er seinen zweiten großen Auftritt als Osterbaum hat.

Im Sommer wird Platz gemacht

Erst wenn im Sommer der Platz vor der Kneipe für Tische, Stühle und einen Sonnenschirm gebraucht wird, muss die Tanne endgültig weg. Früher hat Mierwald sie dann in kleine Stücke zersägt und in den Container hinter dem Haus geworfen. Inzwischen hat er sich mit der BSR abgesprochen. Die seien da nicht so engstirnig. Wenn er den Baum an einem Dienstag an den Straßenrand stellt, nimmt ihn die Müllabfuhr selbst noch im Sommer mit.

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