Berlin : Berlins Mitte wird zur Eigenheim-Siedlung

Beflügelt vom Verkaufserfolg auf dem Friedrichswerder plant der Senat noch mehr Stadtvillen in der Nähe des Auswärtigen Amts

Matthias Oloew

Die „Townhouses“ in Mitte sind ein Verkaufsrenner, noch bevor sie gebaut sind. Auf dem Friedrichswerder, also dem Gebiet zwischen Hausvogteiplatz und dem Auswärtigen Amt, sind fast alle der 47 Parzellen, auf denen die Häuser entstehen sollen, verkauft. Senatsbaudirektor Hans Stimmann sieht darin „einen außergewöhnlichen, fast utopischen Erfolg angesichts von Wohnungsüberschüssen und Abrissprogrammen.“ So erfolgreich ist das Konzept, dass jetzt auch nördlich davon, bis zum Boulevard Unter den Linden, kleine Stadthäuser geplant sind.

Noch in diesem Jahr will das Land zu diesem Zweck auch das Areal zwischen der Kommandantur (der Unternehmsrepräsentanz von Bertelsmann) und Friedrichwerderscher Kirche parzellieren und verkaufen. Und auch am Werderschen Markt geht es voran. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA, früher Oberfinanzdirektion) hat ihre Grundstücke gegenüber der Kirche, neben dem Auswärtigen Amt, nun vergeben. Auch diese Flächen sollen parzelliert und bebaut werden – geplant sind ebenfalls kleinere Wohn- und Geschäftshäuser.

Die Entwicklung ist klar: Wohnen für Leute, die es sich leisten können (siehe Kasten), wird in schmucken Häuschen vom Spittelmarkt bis Unter den Linden möglich sein. „Wir machen den Friedrichswerder damit zu einem eigenständigen, erinnerungsfähigen Stadtquartier“, sagt Stimmann.

Auch der Geschäftsführer des Liegenschaftsfonds, Holger Lippmann, ist zufrieden. 39 Parzellen seien bereits verkauft, für fünf weitere stehen die Beurkundungstermine an. Acht Millionen Euro habe der Verkauf für die Landeskasse erbracht. Weitere 8,8 Millionen sind durch die fünf Eckgrundstücke auf dem Friedrichswerder hereingekommen. Manche Grundstücke, die zum Teil nur vier Meter breit sind, waren so gefragt, dass sich 13 Bewerber gleichzeitig dafür interessierten.

Die Zeit der mächtigen Blockrandbebauung ist offensichtlich vorbei. Gefragt sind kleinere Immobilien und Unternehmensrepräsentanzen. So auch am Friedrichswerder. Auf dem Gelände entstehen fünf Eckhäuser, für die jetzt ebenfalls die Bauherren und Architekten gefunden sind. Eins davon, an der Kurstraße, wird die Repräsentanz des Berliner Unternehmens Elpro, das Elektro- und Leittechnische Anlagen herstellt. Dessen Geschäftsführer Abris Lelbach will sich unterm Dach seine Wohnung einrichten, was Stimmann besonders freut: „Er zieht es vor, in der Innenstadt statt im Grünen zu leben. Das sind Unternehmer, von denen man dachte, sie seien im 19. Jahrhundert ausgestorben.“ Das Elpro-Haus wird das Londoner Büro Adjaye Associates entwerfen, das sich in einem Wettbewerb unter acht Architekten durchsetzte.

Die ersten 20 Bauanträge für den Friedrichswerder liegen auf dem Tisch der Stadtentwicklungsverwaltung. Haben die Bauherren die Genehmigung in der Hand, läuft eine Frist von 18 Monaten – dann müssen die Häuser fertig sein. Stimmann rechnet damit, dass der Friedrichswerder 2007 komplett bebaut ist.

Das Townhouses-Konzept soll auch an der Friedrichwerderschen Kirche umgesetzt werden. Die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklunsgesellschaft (DSK) wird die Vermarktung übernehmen. Auch mit dem Verkauf der Parzellen an der so genannten Falkoniergasse, dem kleinen Baufeld auf der anderen Seite der Kirche, soll Ende 2005 begonnen werden. Geplant sind, wen wundert’s: Townhouses.

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