Berlin : Berlins neue Marke – die Party unter der Quadriga

Die Tourismus-Werber sind zufrieden: Silvester am Tor ist zum Selbstläufer geworden. Immer mehr Reiseveranstalter haben die Feier im Angebot

Werner van Bebber

Vor ein paar Wochen stand die Silvester-Party am Brandenburger Tor in Frage. Dann hieß es, sie würde kleiner ausfallen als zuvor – jetzt hat sie sich als Massenattraktion erwiesen. Das Brandenburger Tor, das Feuerwerk zum Jahreswechsel, die Imbissmeile westlich und östlich des Tores haben mit einer Millionen Gästen mehr Partyfreunde denn je angezogen. Wie schon in den Jahren zuvor waren es weniger Berliner als Berlin-Besucher aus allen Teilen Deutschlands und vielen Ländern Europas, die den Jahreswechsel auf dem Pariser Platz und auf der Partymeile feierten. „Silvester am Brandenburger Tor“ ist zur Marke geworden.

So sieht es jedenfalls der Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing (BTM), Hanns Peter Nerger: Eine Million Menschen, friedlich versammelt, um am Brandenburger Tor zu feiern – das sind für den Tourismus-Fachmann vor allem Bilder, die für sich selbst sprechen, für die Stadt und das Ereignis Werbung machen und die Marke „Silvester in Berlin“ immer attraktiver machen. Nerger fühlte sich an Times Square in New York erinnert: Das sei architektonisch kein so besonderer Ort, dort treffe man sich einfach, um zu feiern, weil der Ort eine Feier-Tradition hat.

Wie beliebt der Party-Ort Brandenburger Tor bei vielen ist, zeigt sich an den Menschen-Massen. 750 000 feierten am Times Square – am Brandenburger Tor kam nach Polizei-Angaben eine Million zusammen.

Den Anfang des Erfolgs sieht Nerger in den Foto- und Filmaufnahmen von Silvester 1989, als das Brandenburger Tor zum Ost-West-Feier-Treffpunkt wurde. Diese Aufnahmen und das freundlich-friedliche Feier-Gefühl, das sie transportieren, ist für den Berliner Tourismus-Chef der Inhalt der Werbebotschaft, die seither in jedem Jahr wiederholt und weiter getragen worden ist: Wer fröhlich inmitten einer großen Zahl von Menschen feiern will, der fahre nach Berlin und feiere am Brandenburger Tor.

Der „dynamische Prozess“, der nun immerhin seit vierzehn Jahren läuft, bringt heute allerdings ein anderes Publikum als vor ein paar Jahren nach Berlin. Nach der Wende sei die Hauptstadt ein Reiseziel vor allem für Individual-Touristen gewesen. In diesem Jahr habe sich schon bei der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) im Frühjahr gezeigt, dass die Party zum Jahreswechsel für Reiseveranstalter interessant geworden sei, sagt Nerger. Das betrifft das Inland und die Bustouristen ebenso wie das Ausland. Laut Nerger hat sie in diesem Jahr schon bei der ITB „viel internationalen Zulauf“ bekommen.

Das habe über den Jahreswechsel zu einer Hotel-Auslastung von etwa 65 Prozent geführt. Nach einem Jahr mit eher verhaltenen Aussichten hat der BTM-Chef nun Grund zur Zufriedenheit. Noch bei der ITB im März gingen die Fachleute von jährlich sinkenden Besucher-Zahlen aus. Bestenfalls Stagnation sei 2003 zu erwarten, hieß es. Der Sommer und erst recht der Herbst brachten mehr Besucher als erhofft – Berlin behauptete nach London und Paris den dritten Rang unter den europäischen Stadtreise-Zielen. So steht am Jahresende eine ganz gute Bilanz. An 11,3 Millionen Übernachtungen verdiente die wichtigste Branche der Stadt in diese Jahr etwas mehr als zum Jahresanfang erwartet. Der Silvester-Party-Erfolg bringt Nerger nun das, was er 2004 bestens brauchen kann - „weltweite Bilder“.

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