Berlins neuer Tierschutzbeauftragter : Star der Tierversuchsgegner

Seit mehr als zwei Jahrzehnten erforscht der Mediziner und Pharmakologe Professor Horst Spielmann Alternativen zu Tierversuchen. Dafür bekam er weltweit Anerkennung. Nun ist er Berlins oberster Tierschützer.

Christoph Stollowsky
Berlins neuer Tierschutzbeauftragter Horst Spielmann.
Berlins neuer Tierschutzbeauftragter Horst Spielmann.Foto: FU Berlin

Der neue Job ist wie für ihn geschaffen. Seit mehr als zwanzig Jahren setzt sich der Berliner Mediziner, Pharmakologe und Toxikologe Professor Horst Spielmann dafür ein, dass Tierversuche eingeschränkt und durch alternative Forschungsmethoden so weit wie möglich ersetzt werden. Er selbst hat bei der Entwicklung solcher Tests Pionierarbeit geleistet und dafür internationale wissenschaftliche Auszeichnungen erhalten. Und nun hat der inzwischen 70-jährige Pensionär und Honorarprofessor am Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin (FU) noch eine weitere Aufgabe übernommen: Seit 1. Januar dieses Jahres ist er Berlins neuer Landestierschutzbeauftragter.

Damit folgt ein hochkarätiger Wissenschaftler dem bisherigen recht populären Praktiker Dr. Klaus Lüdcke. Der pensionierten Veterinär war Berlins erster Tierschutzbeauftragter, nachdem das Abgeordnetenhaus die Einführung des politisch unabhängigen Ehrenamtes 2007 beschlossen hatte. Lüdcke leitete seither die Treffen des Berliner „Forums Tierschutz“, in dem Vertreter etlicher Tierschutzverbände zusammenkommen. Er engagierte sich unter anderem gegen die Haltung von Wildtieren im Zirkus, für Alternativen zu Tierversuchen, für den umstrittenen Hundeführerschein, für die neuen Taubenschläge am Potsdamer Platz und Kottbusser Tor oder für größere Gehege im Zoologischen Garten. Sein Büro hat Berlins oberster Tierschützer in der Senatsverwaltung für Justiz- und Verbraucherschutz in Schöneberg. Und er ist bundesweit einzigartig: Ein solches Amt gibt es nur in Berlin.

„Der Neue“ Horst Spielmann wurde Ende 2012 von mehreren Tierschutz-Gruppen vorgeschlagen und von Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) eingeführt. Er freue sich, dass man einen „weltweit anerkannten Verfechter für den Tierschutz“ gewonnen habe, sagte Heilmann. So wurde Spielmann beispielsweise 2009 beim 7. Weltkongress zu Tierversuchen als „Tierschutzpatron“ geehrt. Er habe sich „in besonderer Weise für die Reduzierung, Verbesserung und den Ersatz von Tierversuchen“ eingesetzt, hieß es in der Begründung.

Bundesweit bekannt wurde Horst Spielmann allerdings zuvor auf einem anderen Gebiet. Er trug durch seine Forschungsarbeiten an der FU im Bereich Frühschwangerschaft und Embryonalpharmakologie dazu bei, dass eine künstliche Befruchtung beim Menschen möglich wurde. Deshalb gilt er als „wissenschaftlicher Vater“ des ersten Berliner „Retortenbabys“, das 1984 in der Frauenklinik der FU geboren wurde. Zuvor war Spielmann auch jahrelang als Beamter für das Bundesgesundheitsamt und das Bundesinstitut für Risikobewertung tätig. Er gilt als behördenerfahren – eine wichtige Voraussetzung für seinen neuen Job.

Seit 1989 widmet sich der Wissenschaftler der Frage, wie Tierversuche in der Kosmetik- und Medikamentenforschung ersetzt werden können. Er leitete etliche Untersuchungsprojekte, entwickelte dabei unter anderem molukularbiologische und computergestützte Methoden, mit deren Hilfe toxikologische Verträglichkeitsprüfungen an menschlichen Zellen und Geweben ohne Tierversuche möglich sind. Viele Jahre lang leitet Spielmann zudem die „Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch“ am Bundesinstitut für Risikobewertung. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass sich die Zahl der Tierversuche zur Entwicklung von Medikamenten und Kosmetika seit 1989 bundesweit halbiert hat.

Der Landestierschutzbeauftragte ist in seinem Büro in der Senatsverwaltung für Justiz- und Verbraucherschutz erreichbar. Die Adresse: Salzburger Straße 21-25 in Schöneberg, Tel.: 9013-2778 oder -2779. Montag bis Freitag 9-15 Uhr.

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