Berlin : Berlins neues Elefantenbaby: Eine Haut wie Radiergummi

Jörg-Peter Rau

Die Wisente im großen Gehege gleich am Eingang glotzen in den Nieselregen und tun so, als sei rein gar nichts passiert im Tierpark in Friedrichsfelde. Besonders glücklich schaut allerdings auch die Frau an der Kasse nicht drein: Die Menschenmassen halten sich am frühen Samstagvormittag doch noch sehr in Grenzen. Und als dann auch noch jemand fragt, was denn nun sei mit dem neu geborenen Elefanten, muss sie auch noch zugeben dass das Haus der Dickhäuter die nächsten Tage geschlossen bleibt. Trotzdem: Die Familie will es probieren. Sie will Elefantenbaby gucken gehen.

Unverdrossene wurden gestern wenigstens ein bisschen entschädigt. In den Vorraum des Elefantenhauses durften sie rein und durch eine dicke Glasscheibe einen Blick auf die Box werfen, in der sich Elefantenkuh "Pori" und ihr 84 Zentimeter kleines 75 Kilo schweres Töchterchen von den Strapazen der Geburt erholen. Wer Geduld hatte, konnte einen winzigen Elefanten erspähen - rosa noch, wacklig auf den Beinen. Und das unterarmlange Rüsselchen gehorchte noch nicht. Wer von den paar Anwesenden mehr Geduld hatte, konnte den Mini-Jumbo in ganzer Pracht sehen: Als Mutter und Kind in jene Ecke des Geheges stapften, die durch die Glastür einsehbar war.

Ganz in die Ecke gezwängt stehen ein paar Leute und horchen zu, was die beiden Toilettenfrauen des Tierparks zu erzählen haben. Die scheinen alles zu wissen über die Geburt von Minifant. Sagen, sie hätten das Baby am Freitag um 9.15 Uhr als Erste gesehen. "Es ist draußen auf die Welt gekommen. In einem kleinen Handwagen haben sie die Kleine dann hier rein gebracht." Die andere hält die Neugierigen auf Abstand. "Menschen wollen nach der Geburt ja auch erst mal ihre Ruhe haben." Gut scheint es dem Baby zu gehen. Über Nacht habe es regelmäßig Muttermilch getrunken, sagt Falk Dathe, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Tierparks. "Die Mutter kümmert sich sehr gut um das Junge." Aber auch andere wissen Neuigkeiten. Die Pfleger erzählen den Klo-Damen, die Haut des Babys fühle sich an "wie ein Radiergummi". Und dass sie nach der Geburt gleich ein paar Kisten bereitgestellt hätten, falls das Tierchen zum Säugen zu klein sei - so wie damals "Kiri" aus dem Zoo. Die Kisten hätten sie erleichtert wieder weggepackt, als klar war, dass das Baby ohne Aufstieghilfe an die Zitzen der Mutter kommt. Die kleine Elefantenkuh, sagen sie, bleibe erst mal namenlos, bis die erste kritische Zeit überstanden ist. Der Name werde vermutlich wieder eine Ortsbezeichnung aus Simbabwe - dort kommt die Mutter "Pori" her. Bis zu einer Entscheidung wird es wohl vorerst bei "Porilinchen" bleiben. Den Übergangsnamen haben die beiden Toiletten-Frauen schnell mal geprägt.

Ein bisschen neidisch schauten die Besucher gestern Morgen auf eine junge Frau, die allein vor dem Gehege stand und etwas aufschrieb. Sie studiere Biologie und recherchiere für ihre Diplomarbeit, lautet die Auskunft aus dem Tierpark. Für jeden Kontakt zwischen Mutter und Kind macht die Frau einen Strich in ihre Unterlagen. Es stehen schon viele Striche drin.

Die wahren Experten in Sachen Mini-Elefant sind aber Olaf Töffels und Johanna Papke. Die beiden Leute könnten Großmutter und Enkel sein. Töffels ist Anfang 20, Frau Papke wird demnächst 89. Was sie eint, ist die Begeisterung für Tierpark-Elefanten. Jeden kennen sie mit Namen, wissen um die individuellen Charaktereigenschaften, haben Angst, dass die anderen Kühe auf die junge Mutter eifersüchtig werden könnten und sich an ihrem Kalb rächen. Dass die Mutter ständig den Kopf hin- und herwiegt, sei ein Zeichen für Nervosität. "Aber das ist ja ganz normal."

Olaf Töffels größter Wunsch? Doch noch Elefantenpfleger zu werden. Und Johanna Papkes größter Wunsch? "Dass die Kleine gut durchkommt - und streicheln würde ich sie auch gerne." Doch dies wird selbst für die unverdrossene Tierpark-Besucherin kaum in Erfüllung gehen. Und auf Ersteres hoffen neben der Frau an der Kasse auch die Pfleger, die den Nachwuchs mit wahrem Vaterstolz betrachten.

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