Berlins Rekordbaby 2013 feiert Silvester Geburtstag : Daniel mit dem Düsenantrieb

Er war das schnellste Baby des Jahres 2013 – um 1.01 Uhr kam er zur Welt. Wir haben ihn an seinem ersten Geburtstag in Waidmannslust besucht.

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Schicker Geburtstag. Daniel feiert mit Weste und Fliege – und seinen Eltern Elena Bödecker und Boris Nehorosev.
Schicker Geburtstag. Daniel feiert mit Weste und Fliege – und seinen Eltern Elena Bödecker und Boris Nehorosev.Foto: Christoph Stollowsky

Sein erstes Geburtstagsküsschen bekam er am 1.1.2014 um 1.01 Uhr. Ganz sachte beugten sich die Eltern über den kleinen Jungen in seinem schneeweißen Bettchen, damit er nicht schon wieder aufwachte nach all der Böllerei um Mitternacht. „Ein bisschen hat er gelächelt, als er uns spürte“, erzählt die Mutter Elena Boedecker am Silvestermorgen. In diesem Augenblick krabbelt ihr Sohn blitzschnell über den Flokati-Teppich im Wohnzimmer und reißt sein erstes Geburtstagspäckchen auf, dass die Geschenkpapierfetzen fliegen. Ein Kinder- Keyboard. Kräftig drückt er auf die Tasten: Daniel, das schnellste Berliner Baby des Jahreswechsels 2012/13, feiert sein erstes Geburtstagsfest am Neujahrstag 2014.

Nach seiner Geburt stand Daniel, das Rekordbaby, in allen Berliner Zeitungen. Punkt eine Minute nach 1 Uhr früh war er in der Silvesternacht in der Caritas-Klinik „Maria Heimsuchung“ in Pankow zur Welt gekommen – und hatte damit all die anderen Berliner Neujahrsbabys um mehr als eine Stunde abgehängt. Er war ein guter Mittelgewichtler, wie die Hebammen sagten: 3800 Gramm schwer, 51 Zentimeter groß und keineswegs ein Kahlkopf. Einen dunklen, fast schwarzen Haarflaum bekam er mit auf die Welt.

Und was bringt Daniel jetzt auf die Waage und an die Messlatte in seinem Kinderzimmer? 9,4 Kilo, 78 Zentimeter. Gerade hat er seinen fünften Zahn bekommen, hat seine Vorliebe für Äpfel und sein Polizeiauto entdeckt . Wenn er jetzt im Tragesitz an der Brust von Vater Boris Nehorosev hängt, baumeln die Füße mit den bunt geringelten Strümpfen weit über dessen Bauch hinweg. „Irre, das geht alles so schnell“, hat sich Elena Boedecker gedacht, als sie am 31. Dezember ihre Wohnung in einem großen Mietshaus an der Titiseestraße im Reinickendorfer Ortsteil Waidmannslust mit Ballons und Girlanden schmückte – für Silvester und für Daniels Geburtstag. „Der kann jetzt mit den Raketen immer ’reinfeiern“, freut sich der Vater, während Elena Boedecker auch schon die Schattenseiten des Datums erwägt. „Na ja, so eine Kindergeburtstagsfeier gleich nach der Silvesternacht, das kann für die Eltern stressig werden.“

Daniel ist schon bei ,,Kalinka" angemeldet

Darauf angelegt haben die beiden es ohnehin nicht. „Kein Gedanke daran“, sagt Elena Boedecker. Es war ja eine schwere Geburt. 13 Stunden habe sie sich schon „gequält“, bevor die Hebammen und Ärzte im Kreissaal um 24 Uhr anstießen und die werdenden Eltern erst mal zum neuen Jahr beglückwünschten. Danach boten sie Boedecker und ihrem Mann an, die Geburt zu beschleunigen. Aber beide wollte nicht. Daniel sollte zur Welt kommen, „wann er es für richtig hielt“. Um 1 Uhr früh hatte sie zwei Presswehen und dann rief ein Arzt: „Wow, was für ein Zeitpunkt!“ Als Daniels Kopf erschien, zeigt die Wanduhr im Kreißsaal exakt 1.01Uhr.

Elena Boedecker, 41, und Boris Nehorosev, 40, hielten ihr Wunschkind in den Armen. Das Paar kannte sich schon, als sie zehn und elf Jahre alt waren in ihrer Heimat in Moldawien. Aber sie heiratete erstmal einen anderen, er blieb ledig und arbeitete in der einstigen Sowjetrepublik auch nach der Wende als Elektroschweißer. Sie wanderte dagegen vor 17 Jahren nach Berlin aus und leitete seit 2006 den Museumsshop ,,Alles über Berlin" des Berlin Story-Verlages. Momentan ist sie in Elternzeit, kehrt aber bald zum Job zurück. Nach der Trennung von ihrem früheren Partnern begegnete sie Boris 2011 zufällig, als sie ihre Eltern in Moldawien besuchte. Ein paar Monate später machte ihr Daniels Vater einen Heiratsantrag. Wo? Elena streicht ihre langen schwarzen Haare zurück. „Bei einem Bummel über den Roten Platz in Moskau.“

Daniel ist schon in der Krabbelstube angemeldet

Seit einem Jahr lebt das Trio nun in Waidmannslust, Boris Nehorosev arbeitet in seinem Beruf, Daniel ist schon in der Krabbelstube der Interkulturellen Kita ,,Kalinka“ im Märkischen Viertel angemeldet. Aber jetzt feiern sie erst mal sein Wiegenfest. Am Nachmittag kommt Boedeckers 22-jähriger Sohn Artiom aus erster Ehe mit Anhang vorbei. Der bescherte Daniels Mutter kurz vor Weihnachten 2012 eine originelle Familienkonstellation. Artiom wurde Vater einer Tochter. So bekam Elena Boedecker innerhalb weniger Wochen ein Enkelkind und selber Nachwuchs. „Ein zweiter Enkel“, verrät sie, „ist schon unterwegs.“

Nun sind alle gespannt, ob es Daniel schafft, die erste Kerze auf seiner Torte selbst auszublasen. Anrufe aus Moldawien und der Ukraine, wo die Großeltern leben, bekommt er jede Menge. Punkt 23 Uhr klingelte in der Silvesternacht schon das Telefon, bei den Gratulanten war es wegen der Zeitverschiebung bereits Mitternacht. Auch „Radio Russkiij“, der russischsprachige Sender in Berlin, gratulierte schon am 31. Dezember und spielte für Daniel„Das Krokodil Gena“, ein russisches Kinderlied. Und im wöchentlichen Krabbelkreis in der Nachbarschaft wird in ein paar Tagen gleich weitergefeiert. Seit die anderen Familien Daniels Geburtsdatum kennen, ist er dort sowieso der Star.

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