Berlin : Berlins Schokoladenseiten

Zu Weihnachten ausgelastet: Die Hauptstadt ist noch immer ein wichtiger Standort der Süßwarenindustrie

Susanne Herrmann,Alexander Visser

Ob der staniolverpackte Weihnachtsmann mit Sack und Rute, Edelnikoläuse aus schwarzer und weißer Feinschokolade oder exklusive Pralinen als Päckchen unterm Weihnachtsbaum: Die Süßwarenindustrie hat jetzt Hochkonjunktur. Schokolade ist nach wie vor die unbestrittene Nummer eins in der Produktion und im Verkauf. Die feinen Backwaren, wozu Kekse aller Art gehören, kommen auf Platz zwei. Die großen Süßwarenhersteller in Berlin decken genau diese marktführenden Segmente ab. „Von der Zahl der Unternehmen her ist Berlin noch immer ein wichtiger Standort für die Süßwarenindustrie“, sagt Torben Erbrath, Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie. „Allerdings hat die Stadt seit Wegfall der Berlinförderung an Bedeutung verloren.“

Prominenteste Verkaufsadresse für Süßwaren in Berlin ist das Schokoladenhaus Fassbender & Rausch am Gendarmenmarkt. „Das größte Schokoladenhaus Europas“, sagt Jürgen Rausch, Geschäftsführer des Traditionsunternehmens Rausch, stolz. Der Schokoladenhersteller hat seinen Unternehmenssitz sowie Forschung und Marketing noch immer in der Hauptstadt. Früher wurde in Tempelhof produziert. Doch eine geplante Betriebserweiterung schlug fehl, „da uns der damalige Senat das benötigte Grundstück nicht verkaufte“, wie Rausch sagt. Daher entstand das neue Werk 1982 im niedersächsischen Peine. Heute produzieren dort 450 Mitarbeiter die edle „Plantagenschokolade“, mit der sich Berliner und Touristen am Gendarmenmarkt eindecken. Weil das Geschäft so gut läuft, will Rausch die Ladenfläche 2006 fast verdoppeln, ein Schokoladenrestaurant zieht in den ersten Stock.

Auch für das Storck-Werk in Berlin läuft das Geschäft offenbar glänzend. Mit rund 1100 Mitarbeitern in Reinickendorf ist Storck der größte Arbeitgeber der Süßwarenindustrie in der Hauptstadt. Die hohen Energie- und Rohstoffpreise gehen aber an den Herstellern nicht spurlos vorbei. „Vor allem die Nuss-Preise haben stark angezogen“, erklärte Bernd Rößler, Sprecher des Familienunternehmens Storck, das seit 1967 ein Werk in Berlin betreibt. In Reinickendorf fertigt Storck die bekannten Merci-Riegel. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern. „Die Arbeitsplätze sind gesichert“, sagt Roland Franke, der den Berliner Süßwarenbereich der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) betreut. „Das Storck-Management hat ein gutes Gespür für den Handel“, glaubt Franke. Der Hersteller von Knoppers, Riesen und Toffifee veröffentlicht als Familienunternehmen keine Umsatz- oder Gewinnzahlen.

Stollwerck setzt auf den Trend zu Premiumschokoladen und stellt Produkte mit hohem Kakaoanteil und edlen Kakaosorten her. Im Tempelhofer Werk wird neben Alpia-Tafeln seit diesem Oktober die Markenserie Sarotti No. 1 produziert. Ab Dezember produzieren die rund 360 Mitarbeiter in Tempelhof außerdem Sarotti Purpur, eine Bitterschokolade, in der durch ein spezielles Herstellungsverfahren die natürlichen Polyphenole aus dem Kakao erhalten bleiben. Durch diese Stoffe wird die Schokolade nach Herstellerangaben gesünder. Durch die neuen Produktlinien sind die verbliebenen Arbeitsplätze am Standort vorerst gesichert. Im laufenden Jahr hatte Stollwerck 40 Mitarbeiter entlassen „weil ein Auftrag von Lidl an ein anderes Unternehmen ging“, sagt NGG-Mann Franke.

Auch das Bahlsen-Werk in Tempelhof hat eine neue Produktreihe. Etwa 400 Beschäftigte hat das Familienunternehmen Bahlsen in Berlin. 2006 wird für die neue Anlage eine vorhandene Halle erweitert: Wegen hoher Nachfrage soll auch dort der Schokokeks Leibniz Choco hergestellt werden. Trotzdem sind die Erwartungen des Unternehmens für 2006 verhalten. „Vor allem die Preissensibilität macht uns zu schaffen: Zwei Drittel aller Kekse werden im Discounter gekauft“, sagt Bahlsen-Sprecherin Dorith Wolff. Im Werk nahe der Stadtautobahn 100 werden neben den Leibnizsorten Pick up!, Choco und Minis die Keksmischung Rekord und die Lebkuchen Contessa und Grandessa hergestellt.

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