Berlins Sternengucker : Zeiss-Großplanetarium wird modernisiert

Mehr als 26 Jahre tat das Zeiss-Großplanetarium seinen Dienst. Jetzt wird es für gut ein Jahr geschlossen – und auf den neuesten Stand der Technik gebracht

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Sternenkugel. Für gut ein Jahr wird das Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg modernisiert.
Sternenkugel. Für gut ein Jahr wird das Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg modernisiert.Foto: Alice Epp

Von unserem blauen Planeten ist die Wega, Hauptstern des Sternbildes Leier, etwa 26,5 Lichtjahre entfernt. Das Licht, das er am 9. Oktober 1987 ausstrahlte, wird also, über den Daumen gepeilt, etwa dieser Tage bei uns eintreffen. Damals feierte Berlin, hüben wie drüben, seine 750-Jahr-Feier, und einer der Höhepunkte war an besagtem Tage die Eröffnung des Zeiss-Großplanetariums. Ein Prestigeobjekt, gebaut auf dem Gelände eines alten Gaswerks, auf der Höhe der damaligen Technik, sogar DDR-Chef Erich Honecker gab sich die Ehre.
In den Dimensionen des Universums gerechnet, sind die mehr als 26 Jahre ein Klacks, in denen der technischen Entwicklung auf dem Erdball aber sind das Lichtjahre. Etwa 1500 Dias werden pro Sternenshow projiziert, eine Technik, die viele Besucher privat wohl nur noch vom Hörensagen kennen. Manch einer hat sich aber auch an das Klackern der Projektoren unter der Kuppel gewöhnt, wie Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhne, der am Mittwoch im großen Saal deswegen gar eine kleine rhetorische Träne vergoss, wenn man so sagen darf. Denn er wie auch alle anderen Freunde des Großplanetariums werden das Klackern an diesem Wochenende zum letzten Mal hören können, danach macht das Haus an der Prenzlauer Allee 80 in Prenzlauer Berg für gut ein Jahr dicht.
Nostalgie hin, Fortschritt her – das Großplanetarium ist zwar noch immer groß, aber doch in die Jahre gekommen, technisch veraltet, störanfällig. Geht mal was kaputt, bedeutet es schon eine Herausforderung, ein Ersatzteil aufzutreiben. Und den hohen didaktischen und gestalterischen Vorstellungen, die ein moderner Planetariumsmann wie Leiter Tim Florian Horn von seiner Arbeit hat, ist die selbst schon museale Technik ohnehin nicht mehr gewachsen.

Altes Eisen. Auch der Sternenprojektor „Cosmorama“ wird durch ein neues Modell ersetzt.
Altes Eisen. Auch der Sternenprojektor „Cosmorama“ wird durch ein neues Modell ersetzt.Foto: Alice Epp

Damit hat es aber nun ein Ende. Insgesamt 12,8 Millionen Euro lässt sich das Land Berlin Umbau und Aufrüstung des silbrigen Kuppelbaus kosten, dazu kommen noch einmal 467 000 Euro für die Renovierung des Foyers und neue Stühle im hauseigenen Kino und im Planetariumssaal selbst. 350 000 Euro stiftet der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung, den Rest wiederum das Land.
Für das Haus, wie die Treptower Archenhold-Sternwarte Teil der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, bedeutet das den Schritt von der analogen zur digitalen Technik. Der Diaprojektor hat ausgedient, jetzt kommt der Videobeamer, allerdings im XXL-Format, mit rund 80 Computern im Hintergrund, um all die digitalen Informationen zu sammeln, aufzubereiten und in fließende Bilder umzusetzen. Auch der in der Mitte des Saales aus dem Boden ausfahrbare Sternenprojektor „Cosmorama“, bei den Mitarbeitern des Hauses kurz „der Knochen“ gerufen, wird aussortiert und kommt ins Foyer zur musealen Endverwertung. Ein neues Modell, über das noch nicht entschieden ist, wird das Fossil ersetzen.

Dies ist aber nur die technische Vorbereitung einer auch inhaltlichen Neuausrichtung des Hauses. Schon jetzt wird dort – mit 2,6 Millionen Besuchern seit Eröffnung und knapp 76 000 im vergangenen Jahr – nicht nur Sternenguckerei betrieben, Ziel ist aber ein hochmodernes „Wissenschaftstheater“, das etwa auch Programme zur Geologie, Biologie oder Medizin anbietet, dazu das Publikum stärker einbinden will, etwa indem Schulklassen ihre eigenen Programme für die Kuppelprojektion gestalten. Der Blick in eine menschliche Zelle? Im runderneuerten Großplanetarium kein Problem.

Am 29. und 30. März gibt es ab 13.30 Uhr Tage der offenen Tür bei freiem Eintritt. Näheres unter www.sdtb.de

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