Berlins Straßen : Tiefe Schlaglöcher nach Ende der Frostperiode

Der Schnee ist geschmolzen, der kaputte Asphalt ist zu sehen - überall in der Stadt. Autofahrer holpern genervt durch die Krater, sogar ganze Spuren wurden gesperrt. Und was haben Sie beobachtet? Berichten Sie uns davon, bitte schreiben Sie Ihren Kommentar unter diesen Text.

Stefan Jacobs
Schlagloch
Tiefer, als die Polizei erlaubt. In der Yorkstraße sichert ein Streifenwagen ein großes Schlagloch. -Foto: Günter Peters

Autofahren kann richtig wehtun in diesen Tagen: Manche Pfütze erweist sich beim Durchfahren als wassergefüllter Krater im Asphalt. Und mit jedem Auto, das hindurchpoltert, wird er ein wenig größer. So schlecht wie in diesen Tagen war der Zustand der Berliner Straßen seit langem nicht. Auf mehreren Hauptrouten wie Leipziger, Gertrauden-, Köpenicker Landstraße und Tempelhofer Damm wurden sogar Spuren gesperrt.

Fachleute hatten wegen des bisher strengen Winters bereits mit dem Schlimmsten gerechnet, sobald es taut. Das durch Risse eingesickerte Wasser sprengte beim Frieren den Unterbau. Nachdem der Frost den Boden noch wie Kitt zusammenhielt, zerbröselt bei den gestiegenen Temperaturen jetzt alles.

„Wir tun, was wir können, aber wir kommen im Moment nicht hinterher“, sagt der Pankower Verkehrsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Immer neue Schadensmeldungen kämen sowohl von den fünf „Straßenbegehern“ des Bezirkes als auch von Polizei und BVG. Die Informationen würden sofort an Baufirmen weitergeleitet. „Aber im Moment werden nur Notreparaturen gemacht.“ Mehr als Flickschusterei sei wegen der Menge der Arbeit und des nassen Wetters zurzeit nicht drin.

Immerhin sind die Geldtöpfe so früh im Jahr noch voll, wie auch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bestätigt. Kirchner berichtet für Pankow von 3,6 Millionen Euro pro Jahr. „Um den Status quo zu erhalten, bräuchten wir aber 7,2 Millionen.“ Wie viel eine Komplettsanierung des Netzes kosten würde, hat Kirchner lieber gar nicht erst errechnet.

Harald Büttner, der Straßenamtsleiter von Mitte, hat es getan – und ist auf 50 Millionen Euro gekommen, wie er kürzlich sagte. Und: Wer die reguläre Instandhaltung vernachlässige, zahle für die dann unvermeidliche Grundsanierung letztlich das Siebenfache. „DDR-Mentalität“ hat Büttner diesen Berliner Umgang mit dem Wert der Infrastruktur genannt.

Dabei bekommt der Citybezirk Mitte nach Auskunft der Senatsverwaltung für Verkehr von 2008 bis 2010 bereits insgesamt 4,1 Millionen Euro zusätzlich. Das Grundbudget für alle Bezirke zusammen betrage sechs Millionen Euro pro Jahr, sagt ein Verwaltungssprecher und fügt hinzu: „Das sehen wir als ausreichend an.“ Ein Sonderprogramm nach dem strengen Winter sei jedenfalls nicht geplant.

Der Pankower Stadtrat Kirchner stellt fürs Sommerhalbjahr wieder gründliche Straßensanierungen in Aussicht. Für Fußgänger hat er noch die gute Nachricht, dass Gehwege weniger unter dem Frost leiden. „Dem Kleinpflaster schadet es eher, wenn im Sommer die Kneipenstühle darauf herumgeschleift werden.“ Aber das ist in diesen Tagen nicht nur Kirchners kleinste Sorge. Stefan Jacobs

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