Berlin : Berlins Straßenlage: Vom Schnellzug zur Bummelbahn

Klaus Kurpjuweit

Die Bahn kommt - an vielen Stellen noch nicht. Der Ring der S-Bahn soll frühestens Mitte 2002, fast 13 Jahre nach der Möglichkeit, die Netze zu vereinen, geschlossen werden. Nicht vor dem Jahr 2006 werden nach derzeitigem Stand auch die Anhalter und die Dresdner Fernbahn wieder aus dem Stadtzentrum ins Umland führen. Etwa 2003 soll immerhin die S-Bahn über die Anhalter Bahn wieder nach Teltow fahren. Und ob auf der Stammbahn zwischen Griebnitzsee und Zehlendorf je wieder Züge fahren werden, ist nicht einmal entschieden. Die Voruntersuchung ist jetzt abgeschlossen. Nun folgt die Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Dafür baut die Bahn derzeit eine Strecke bereits zum zweiten Mal wieder - die für Güterzüge vorgesehene Verbindung von der Ringbahn in Neukölln zur Görlitzer Bahn in Baumschulenweg. Dort waren die Gleise Mitte der 90er Jahre wieder verbunden worden. Allerdings nur provisorisch. Jetzt müssen nach Angaben von Gabriele Schlott von der DB Projekt Verkehrsbau die damals eingebauten Behelfsbrücken durch feste Überbauten ersetzt werden. Die Arbeiten, die 11,9 Millionen Mark kosten, sollen im Frühjahr 2001 abgeschlossen sein.

Länger warten müssen dagegen die S-Bahn-Fahrgäste, bis sie wieder über die "Strecke ohne Ende" fahren können. Vom 17. September 2001 an soll es immerhin wieder Verbindungen von der Schönhauser Allee und von Pankow nach Gesundbrunnen geben, der Ring allerdings wird erst Mitte 2002 dann auch zwischen Gesundbrunnen und Westhafen geschlossen. Hier hat der Senat nachträglich den Bau der Linie S 21 zum Lehrter Bahnhof beschlossen, zunächst als Stichstrecke, wie es sie bis 1944 auf dem Südring zum Potsdamer Platz gegeben hatte. Die Arbeiten für die Ein- und Ausfädelung der S 21 auf den Nordring verzögern dort nun die Inbetriebnahme weiter.

Dabei hatte man sich auch auf der Schiene zunächst beeilt. Schon am 22. Januar 1990 konnten zwischen Wannsee und Potsdam wieder Züge fahren. Vor den grünen Doppelstockwagen setzte die Reichsbahn sogar die ehemalige Regierungslokomotive der DDR ein. Der S-Bahn-Verkehr wurde bereits zwei Jahre später, am 1. April 1992, aufgenommen.

Bereits am 2. Juli 1990 waren auch die Gleise der S-Bahn am Bahnhof Friedrichstraße wieder miteinander verbunden. Im gleichen Jahr folgten noch die Verbindungen von Frohnau nach Oranienburg und auf der Dresdner Bahn von Lichtenrade nach Blankenfelde. Ende 1993 war auch die Verbindung vom Südring in Neukölln zur Station Baumschulenweg in Treptow fertig. Der Ring im Süden zwischen Neukölln und Treptower Park wurde dann aber erst im Dezember 1997 geschlossen, und bis zum 15. Dezember 1998 dauerte es, ehe die S-Bahnen auch wieder von Tegel bis Hennigsdorf fuhren.

Im Fernverkehr der Bahn mussten die Fahrgäste auf der Hamburger Bahn auch immerhin bis zum 28. Mai 1995 auf den Lückenschluss zwischen Spandau und Albrechtshof warten, wo jetzt noch die S-Bahn folgen soll. Im Herbst 1998 war dann auch die Neubaustrecke von Berlin Richtung Hannover über Staaken fertig - als Sparvariante. Der zunächst vorgesehene Ausbau der Stammbahn für den Regionalverkehr mit Tempo 160 neben den Gleisen der Neubaustrecke fand nicht statt. Dies will Brandenburg jetzt nachholen. Termin: Wieder einmal völlig offen.

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