Bernauer Straße : Mauergedenken in der Sackgasse

Im Streit um den Wiederaufbau des Postenwegs an der alten Grenze gibt es einen Kompromissvorschlag.

Christoph Spangenberg

Seit Jahren streiten Anwohner und Senat um die Wiederherstellung des Postenwegs an der Mauergedenkstätte – heute will der vom Senat beauftragte Mediator Thomas Knorr-Siedow einen Kompromiss vorschlagen: Die Anwohner, die ihre Gärten bislang nicht für den Postenweg an der Bernauer Straße hergeben wollen, dürfen diese noch 20 Jahre lang behalten, erst danach müssten sie ihre Flächen abtreten. Um 11 Uhr beginnt dazu im Besucherzentrum der Mauergedenkstätte am Nordbahnhof eine Informationsveranstaltung mit dem Mediator, Vertretern der Senatsverwaltung und dem Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier.

Der Weg, auf dem früher Soldaten der DDR-Grenztruppen patrouillierten, soll Besucher künftig aus dem Kernbereich der Gedenkstätte bis zum Mauerpark führen. Viele Anwohner verkauften die benötigten Grundstücke freiwillig, noch immer aber gibt es Streit um drei Grundstücke an der Schönholzer Straße: Die Anwohner wollen ihre Gärten nicht für den Weg hergeben. Heiner Legewie, Vertreter der Anwohner, sagt zu dem Kompromissvorschlag, 20 Jahre seien aus seiner Sicht die unterste Grenze. Zuvor hatte es von Seiten der Anwohner geheißen, sie wollten erst in 30 Jahren ihre Grundstücke aufgeben.

Legewie berichtet nun auch von einem internen Gespräch zwischen Senatsverwaltungen und dem Rechtsanwalt der Anwohner Ende Januar. Demnach sei die Bauverwaltung bereit, einem Enteignungsverzicht von 15 Jahren zuzustimmen. Die Kulturverwaltung hingegen wolle sich nur auf 10 Jahre einlassen – so lange würde nach deren Ansicht ein Rechtsstreit dauern, sollte die Gedenkstätte am Postenweg ohne neuen Bebauungsplan erweitert werden, sagt Legewie. Doch ob 10 oder 15 Jahre: Auf keines der beiden Angebote würden die Anwohner nach eigenen Angaben eingehen. Der Senat wollte sich vor der Informationsveranstaltung nicht zum Kompromissvorschlag Knorr-Siedows äußern. Bereits seit vergangenem Herbst ist zumindest klar, dass der Senat nicht zum äußersten Mittel – nämlich zu Enteignungen – greifen will.

Mit einer Lösung, bei der die Anwohner ihre Gärten noch viele Jahre behalten dürfen, würde zunächst die sogenannte Sackgassenlösung verwirklicht: Der Postenweg würde durch die fraglichen drei Grundstücke unterbrochen. Auch die Sackgassenlösung ist aber umstritten. Anwohnervertreter Legewie sagt, die Kulturverwaltung des Senats befürchte für diesen Fall Vandalismus, bauliche Probleme und auch, dass der Weg nur wenig genutzt würde.

Streit gibt es auch um Wohngebäude, die jenseits des Weges errichtet werden sollen und den Anwohnern zu hoch und zu nah an den eigenen Häusern gelegen sind. Mediator Knorr-Siedow wird vorschlagen, dass die Neubauten nur sechs anstatt sieben Stockwerke erhalten. Außerdem will er empfehlen, dass jeder Wohnblock eine Lücke von 15 bis 20 Metern Breite erhält, in die beispielsweise Spielplätze gebaut werden könnten und die auch ein Zugang zum Postenweg wären.

Wann die Erweiterung der Gedenkstätte zwischen Brunnenstraße und Mauerpark beendet sein könnte, ist noch unklar. Zumindest für das Dokumentationszentrum gibt es konkrete Pläne: Im Jahr 2014 soll dort nach einem Umbau eine neue Dauerausstellung eröffnet werden.Christoph Spangenberg (mit fk)

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