Bernauer Straße : "Wir ziehen bis vor Gericht!"

Fast 50 Jahre nach dem Mauerbau und pünktlich zu den Gedenkveranstaltungen am 13. August befürchten Bewohner an der Bernauer Straße erneut die Enteignung.

Jana Demnitz
Die Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße: Hier trennte die Mauer die Stadtteile Mitte und Wedding.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Jana Demnitz
01.02.2011 16:00Die Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße: Hier trennte die Mauer die Stadtteile Mitte und Wedding.

An diesem historischen Ort sei das "einfach nur eine Peinlichkeit", sagt Heiner Legewie von der Anwohnerinitiative. Der Berliner Senat und die Mauergedenkstätte sehen das jedoch weniger emotional. Vom Nordbahnhof bis zum Mauerpark soll der ehemalige Postenweg durchgängig als Gedenkstätte für Berliner, Touristen und die Nachwelt wieder hergerichtet und erhalten werden. Einzelne Interessen müssen da hintenanstehen. Kultur-Staatssekretär André Schmitz nennt die rund 100 Mietparteien auch schon mal „Das Gallische Dorf“. Doch zu Späßen und Vergleichen mit den Comicfiguren Asterix und Obelix ist die Anwohnerinitiative der Bernauer Straße langsam nicht mehr aufgelegt. Zu ernst ist ihr Anliegen. Ihre Häuser und Gärten stehen auf den Grundstücken, die schon einmal enteignet wurden. So etwas dürfe an diesem Ort nicht wieder passieren.

Jahrzehntelang patrouillierten bewaffnete DDR-Grenzsoldaten auf dem Mauerstreifen zwischen Mitte und Wedding und schossen auch auf Menschen. Der Postenweg ist somit auch „ein zentrales Element der Maueranlage“ und soll ein Teil der „Erinnerungslandschaften“ werden. Ernsthafte Alternativen dazu gibt es zurzeit nicht. Alle Beteiligten seien über Jahre in die Planungen mit einbezogen wurden, sagt Staatssekretär André Schmitz und will von dem aktuellen Konzept nicht abweichen.

Mittlerweile ist das Gelände an der Bernauer Straße auch eine begehrte Bau- und Investitionsfläche geworden. Bis zu 25 Meter hohe Wohnhäuser sind geplant. Einige stehen schon. In der Schönholzer Straße befürchten die Anwohner eine neue „Wohnbeton-Mauer“ direkt vor ihrem Fenster. Auch gegen diese Planungen wehren sie sich.

Seit Monaten schwelt dieser Streit nun schon zwischen Bürgern, Senat und Mauergedenkstätte. Eine finanzielle Entschädigung wäre für die Bewohner keine Lösung. An diesem Ort geht es nicht ums Geld, sagt Heiner Legewie. Sie seien auch nicht generell gegen eine Gedenkstätte. Nur „wie“ über die Köpfe und Interessen der Bürger hinweg entschieden werde, regt sie auf. Die Initiative würde es daher auch auf einen Rechtsstreit ankommen lassen, sogar öffentlichkeitswirksame Aktionen könnten sie sich vorstellen. Vorher will man allerdings noch einmal miteinander reden. 

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