Bernd Matthies : Scherze, die sich selbstständig machen

Immer wieder 1. April: Bernd Matthies warnt selbstlos vor Scherzen, die sich selbstständig machen.

Bernd Matthies
Bernd Matthies, Redakteur für besondere Aufgaben.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Mit Entsetzen treibt man keinen Scherz!“ hielt uns ein Leser spontan vor – da hat er irgendwie recht. Denn Hartmut Mehdorn als neuer BVG-Chef, vermutlich angetrieben von der Idee, aus dem braven Verkehrsunternehmen einen im ganzen Sonnensystem operierenden Logistikkonzern zu machen, das wäre knüppelhart für die Stadt.

Wir hätten uns auch an keinem anderen Tag als dem 1. April getraut, diese Nachricht in Umlauf zu setzen. Denn niemand weiß zudem, wie sich diese neue Aufgabe mit einem Posten vereinbaren lässt, den Mehdorn laut Arcor-News ebenfalls umgehend antreten soll: Er wird nämlich auch noch Bundesbeauftragter für den Datenschutz.

Das Dumme ist nun, dass all diese journalistischen Windeier sofort von den Bloggern im Internet verbreitet werden und sich dort, losgelöst vom Erscheinungstag, womöglich auf Dauer etablieren. Manch betagter Tagesspiegel-Scherz wird dort immer noch staunend als Wahrheit herumgereicht.

Deshalb hier ein paar zusätzliche Hinweise: Wir zweifeln sehr daran, ob ein Bündnis „Pro Poli“, wie von der „taz“ angekündigt, tatsächlich den parteigebundenen Politikunterricht an den Gymnasien durchsetzen will. An den Zehlendorfer Grundschulen wird man kaum wirklich mit einem Ansturm von Neuköllner Kindern rechnen müssen, die sich am Wohnsitz ihrer selbstlosen Zehlendorfer „Bildungspaten“ angemeldet haben – so berichtet in der „Berliner Zeitung“. Dass sich der Baggerzahn unangekündigt ins Dach der Deutschlandhalle frisst, wäre ja denkbar. Nur lenkte die etwas windige Fotomontage der „BZ“ den Blick doch rasch auf das Veröffentlichungsdatum; weiter hinten im Blatt wird Jaroslav Drobny per Blitzeinbürgerung in Jogis Nationalelf berufen, na, na . . .

Wer am Schicksal des gedruckten Wortes interessiert ist, der wird gestern registriert haben, dass der britische „Guardian“ künftig ausschließlich per „Twitter“ erscheint: „Experten: Jede Geschichte kann in 140 Anschlägen erzählt werden“. Jede? Nun ja: Für diese Aprilscherzwarnung hier hätte der knappe Platz sicher nicht ausgereicht.

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