Bernd Neumann : Wowereit "dreist und hemdsärmelig"

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit in mehreren Interviews scharf kritisiert. Ein Regierungschef könne sich nicht optimal um die Kultur kümmern.

Hamburg - Wowereits Forderung nach Übernahme der Berliner Staatsoper durch den Bund wies Neumann nach einem "Spiegel"-Bericht "als eine zu schlichte Strategie" zurück. Wowereits Ankündigung, aus der Finanzierung etwa des geplanten Humboldt-Forums auf dem Schlossplatz auszusteigen, nannte er "dreist".

Berlins Regierungschef lege eine "atemberaubende Hemdsärmeligkeit" an den Tag, sagte Neumann dem Nachrichtenmagazin nach einem Vorabbericht vom Samstag. Er fügte hinzu: "Wowereit hat damit Berlin einen Bärendienst erwiesen." Nach dem Scheitern der Berliner Verfassungsklage in Karlsruhe hatte Wowereit erklärt, dass der Bund die Kosten für die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden übernehmen solle.

"Allein das Signal ist verheerend"

Der "Welt am Sonntag" sagte Neumann zur Entscheidung Wowereits, das Amt des Kultursenators abzuschaffen und die Aufgaben selbst zu übernehmen: "Allein das Signal ist verheerend." Ein Regierungschef könne sich nicht optimal um die Kultur kümmern, er könne nicht "für seinen eigenen Bereich so kämpfen wie ein eigenständiger Senator". Die Entscheidung bedeute eine Abwertung der Kultur in Berlin.

Neumann rechnete in dem Blatt vor, dass der Bund mehr Geld für die Kultur in der Hauptstadt ausgebe, als Berlin selbst. Auf den Bund entfielen 340 Millionen Euro für Kultur plus 70 Millionen Euro für die Deutsche Welle, die nur in Berlin sei, um der Stadt zu helfen. Berlin komme nur auf 350 Millionen Euro. Wowereit müsse nun erst einmal versuchen, seine Probleme selbst zu lösen, mahnte Neumann an.

Am Montag ist ein Gespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Wowereit geplant. (tso/ddp)

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