Berlin : Bersarins Birke

Andreas Conrad

wünscht dem Ehrenbaum noch viele Jahresringe Diese politisch turbulenten Wochen geben Anlass, sich auf die Vergänglichkeit allen Seins zu besinnen. Eine Urerfahrung des Menschen, schon die Lateiner wussten darum: Sic transit gloria mundi, so vergeht der Glanz der Welt. Aber so kehrt er früher oder später auch zurück. Und vergeht. Und kehrt zurück. Und… Nehmen wir nur den allerersten Stadtkommandanten Bersarin. Anfangs ein Held, dann aus der Ehrenbürgerliste gestrichen, wieder aufgenommen, nun gar mit einer Birke geehrt – aber wie geht es weiter? Dass sogar einer aus der CDU, die ihn einst strich, den alten Russen ehren will, lässt für die Überlebensfähigkeit des Bäumchens hoffen, auch hat diese Partei in Berlin vorerst nichts zu sagen, doch man weiß ja, wie rasend schnell das Rad der Geschichte mitunter rotiert. Allerdings, ist nicht ein Baum allemal besser als ein Titel? Letzteren kann man schnell entsorgen, gegen übereiltes Abholzen aber gibt es Gesetze, und nie kann man sicher sein, ob nicht aus dem Holz der zersägten Birke kleine Bersarin-Köpfe geschnitzt werden, sich das Gedenken also über einen spontanen Devotionalienhandel potenziert, und da kann man die arme Birke doch auch gleich stehen lassen.

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