Beruflicher Übergang in Berlin : Elftes Pflichtschuljahr steht vor der Tür

Tausende Jugendliche verfehlen den Weg ins Berufsleben. Experten empfehlen jetzt ein weiteres Schuljahr - allerdings mit viel Praxisbezug.

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Vor allem in technischen Berufen, in der Pflegebranche und im Hotel- und Gastgewerbe stellen viele Unternehmen neues Personal ein.
Vor allem in technischen Berufen, in der Pflegebranche und im Hotel- und Gastgewerbe wird viel Nachwuchs gebraucht.Foto: dpa-tmn

Sie sind im besten Alter, aber eine Aufgabe haben sie nicht: Rund 15 000 Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren füllen die Berliner Arbeitslosenstatistik. Damit sich das ändert, sollen die beruflichen Schulen einen stärkeren Praxisbezug mit neuen Angeboten bekommen. Erwogen wird auch ein elftes Pflichtschuljahr für Schüler, die keine Anschlussperspektive haben. Es soll an den Berufsschulen angeboten werden und dazu führen, den Übergang in die Berufsausbildung zu ebnen. Dies skizziert der am Donnerstag vorgestellte Bericht zur „Weiterentwicklung und Stärkung der beruflichen Schulen und Oberstufenzentren“. Das elfte Pflichtschuljahr hatte es bis vor wenigen Jahren schon mal gegeben, galt aber als zu wenig mit der beruflichen Praxis vernetzt.

„Damit soll sichergestellt werden, dass keine und keiner mehr verloren geht“, nannte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag das Hauptmotiv für die Reform, die ab 2017/18 langsam startet. Wobei immer noch unbekannt ist, wie viele Schüler nach der zehnten Klasse überhaupt aus dem Bildungssystem herausfallen. Von „2000 bis 3000“ pro Jahr spricht Ronald Rahmig, Vorsitzender der Vereinigung Berufliche Bildung Berlin. Die grüne Abgeordnete Stefanie Remlinger bemüht sich seit Langem vergeblich um statistische Klarheit seitens des Senats.

Die neuen Berufsfachschulen beinhalten mehr Praxislernzeiten in Betrieben als bisher und sollen so organisiert werden, dass jederzeit ein Übergang in eine duale Ausbildung möglich ist: „Dadurch könnten zugleich die vollschulischen Angebotsgänge ersetzt werden, die infolge hoher Abbruchquoten und geringer Anschlussquoten nicht produktiv sind“, begründete Scheeres die Abkehr vom bisherigen Format der Berufsfachschulen. IHK, Unternehmensverbände und Handwerkskammer begrüßten am Donnerstag das Zurückfahren vollschulischer Angebote, kritisierten aber den „enormen Fachlehrermangel“ an Berufsschulen.

Nichts mehr zu hören ist unterdessen von den jahrelangen Überlegungen, die Schulen in einem neu zu gründenden „Landesinstitut Berufliche Schulen“ zu organisieren. Dieser Plan wurde fallen gelassen.

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