Berlin : Beschwerde über schlechte Pflege im Jüdischen Krankenhaus

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Die zuckerkranke Erna H. hat im Juni einen zweiwöchigen Aufenthalt im Jüdischen Krankenhaus wegen vielfacher "Pflege-Missstände" als entwürdigend erlebt und ihre Tochter gebeten, sich bei der Weddinger Klinik zu beschweren. Auszüge aus der Mängelliste: Fehlende oder verschmutzte Toiletten, unbrauchbare Rollstühle, ein während zwei Wochen "nicht ein Mal" frisch bezogenes Bett, ("obwohl Erna H. unter Blasenschwäche leidet"), trotz ärztlicher Verordnung nicht ausgeführte Arzneivergabe (Rückensalbe), kein Eingehen auf Wünsche nach einer zweiten Bettdecke oder schroffe Antworten von Pflegekräften wie "Wir sind hier sehr beschäftigt, Sie sind hier schließlich nicht die einzige Patientin".

Eine Abteilungsschwester beantwortete den Beschwerdebrief der Tochter von Erna H. mit diesem Kernsatz: "Ihrem Meinungsbild von der krankenpflegerischen Qualität des Pflegepersonals der Station 2 kann ich nicht zustimmen und sehe für mich keinen Anlass zum Handeln."

Die Tochter wandte sich an den Tagesspiegel. Unsere Nachfrage bei der Pflegedienstleitung ergab ein anderes Bild: "Einige Kritikpunkte sind gerechtfertigt und wir müssen uns dafür entschuldigen", so Pflegechef Dieter Leutgen. So sei die geringe Zahl von Toiletten, die von Männern und Frauen gemeinsam benutzt werden, ein Missstand. Doch bauliche Gegebenheiten ließen keine andere Lösung zu, Geld für den Umbau sei seit zehn Jahren beim Land beantragt. Toiletten könnten nicht immer gleich gereinigt werden, weil dies keine Aufgabe der Pflege, sondern einer Putzfirma sei. Der unbrauchbare Rollstuhl (platte Reifen) sei eine Pflege-Panne gewesen, das Personal habe "nicht gewusst", daß es auf der Station eine Luftpumpe gebe. Pflegechef Leutgen bilanziert: "Ich kann nur raten, Misstände schon während der Behandlung mir zu melden."

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