• Besetzer schossen dreimal scharf Irakische Geiselnehmer leben erst seit kurzem als Asylbewerber in Brandenburg

Berlin : Besetzer schossen dreimal scharf Irakische Geiselnehmer leben erst seit kurzem als Asylbewerber in Brandenburg

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Bei den Besetzern der irakischen Botschaft handelt es sich um fünf 32 bis 43 Jahre alte Asylbewerber. Gegen sie wurden gestern Abend Haftbefehle erlassen. Die Besetzer hatten, wie berichtet, am Dienstag den irakischen Geschäftsträger in Berlin, Shamil Mohammed, und dessen designierten Nachfolger rund fünf Stunden in ihrer Gewalt.

Am Abend hatten zwei Teams des Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Berliner Polizei das Botschaftsgebäude an der Riemeisterstraße 20 in Zehlendorf gestürmt. Die etwa 25 Anti-Terror-Spezialisten überwältigten die fünf bewaffneten Täter und befreiten die Geiseln. Die beiden Diplomaten waren gefesselt: „Sie waren ziemlich eingeschnürt“, sagte der Abteilungsleiter im Landeskriminalamt, Martin Textor, dem auch das SEK untersteht.

Noch immer ist das Motiv der Geiselnehmer unklar. Man hatte ihnen am Dienstagabend bis 19 Uhr Gelegenheit geboten, sich mit den Medien in Verbindung zu setzen und ihre politischen Forderungen zu stellen. Als die Täter diese Frist verstreichen ließen, stürmte das SEK gegen 19.40 Uhr das Botschaftsgebäude. Die Türen seien teils verbarrikadiert gewesen, teils von innen verschlossen und mussten von den eindringenden SEK-Beamten aufgebrochen werden. Die Täter ließen sich dann aber widerstandslos festnehmen, sagte Textor.

Zwar hatte sich eine bisher völlig unbekannte irakische Gruppe, die sich „Demokratische Irakische Opposition Deutschland“ nennt, zu dem Überfall auf die Botschaft bekannt und von einer „friedlichen und zeitlich“ begrenzten Aktion gesprochen. Dennoch trugen die Besetzer neben Schreckschusswaffen, einem Elektroschockgerät und einem Beil auch eine scharfe Pistole bei sich. Damit war nach Auskunft der Polizei insgesamt drei Mal geschossen worden: Zwei Schüsse seien von außen gegen die Haustür der Botschaft abgefeuert worden, einer vom Inneren des Gebäudes. Als das SEK eindrang, habe einer der Besetzer die Waffe in der Hand gehalten. Ein Beamter habe sie ihm aus der Hand getreten. Ob der Besetzer schießen wollte, sei nicht bekannt. Die beiden gefesselten Diplomaten erlitten Schocks.

Kurz nach dem Eindringen der Polizei war es einer Frau und einem Mann gelungen, die Gesandtschaft zu verlassen. Die Polizei schloss nicht aus, dass beide sogar von den Besetzern selbst frei gelassen worden waren. Die Frau hatte einen Schock, der Mann Augenreizungen, die durch Tränengas verursacht worden waren. Die Täter hatten mindestens eine Tränengaspatrone mit der Schreckschusswaffe abgefeuert.

Auf die Versuche der Polizei, Kontakt aufzunehmen, reagierten die Besetzer nicht. Man habe lediglich einmal kurz telefonisch Kontakt gehabt, sagte Textor. Dabei hätten die Besetzer aber etwas geäußert, das klang, als verstünden sie nicht, dann wurde der Hörer wieder aufgelegt. Weitere Versuche, mit den Tätern zu sprechen, seien vergeblich gewesen. Sie reagierten weder auf Telefonanrufe noch auf Megaphondurchsagen.

Bisher äußerten sich die Täter zu den Beweggründen gegenüber der Polizei nicht. Anhand ihrer bei der Festnahme sichergestellten Mobiltelefone konnten sie jedoch identifiziert werden. Die Telefone wurden noch am Dienstagabend im Landeskriminalamt untersucht. Dabei sollte vor allem geklärt werden, mit wem die Täter Kontakt hatten.

Inzwischen steht fest, dass es sich bei den Männern um irakische Asylbewerber handelt, die in den brandenburgischen Orten Eisenhüttenstadt und Spremberg untergebracht sind. Vier kamen erst in diesem Jahr nach Deutschland, einer bereits 2001. Ein hoher Kriminalbeamter sagte gestern, die Täter hätten mit der Aktion in der irakischen Botschaft ihren „Status als Asylbewerber zementiert. Keiner wird jetzt auf die Idee kommen, sie nach Hause zu schicken.“

Die irakische Oppositionsgruppe, der die Besetzer angeblich angehören, ist unbekannt. Weder der Staatsschutz der Berliner Polizei noch die Geheimdienste haben bisher etwas von dieser Gruppe gehört. Auch unter den etablierten irakischen Oppositionsgruppierungen herrschte gestern Rätselraten. Es handele sich bei den Festgenommenen entweder um eine Splittergruppe oder um die Neugründung einer Gruppierung, hieß es bei der Polizei. In einem Schreiben hatte sich, wie berichtet, die „Demokratische Irakische Opposition Deutschlands“ zu der Besetzung bekannt. Sie soll sich im Juli an der Humboldt-Uni gegründet haben.weso

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