Besetzter Seniorentreff in Pankow : Rentner demonstrieren vor Abgeordnetenhaus

24.08.2012 09:23 UhrVon Marius Gerads
Vor dem Abgeordnetenhaus zeigen die „Occupy-Omas“ ihre Krallen. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Vor dem Abgeordnetenhaus zeigen die „Occupy-Omas“ ihre Krallen. - Foto: Kai-Uwe Heinrich

Nächste Woche entscheidet die BVV, ob sie sich an den Kosten für eine Sanierung des besetzten Seniorentreffs „Stille Straße“ in Pankow beteiligen soll. Derweil demonstrierten die Rentner vor dem Berliner Abgeordnetenhaus. Findet sich kein Träger, wollen sie trotzdem bleiben.

Sie haben alles dabei, was man für eine Demonstration so braucht: Große Transparente, bedruckte T-Shirts und stapelweise Flyer. Die Senioren, die in Pankow ihre Begegnungsstätte besetzen, um deren Schließung zu verhindern, haben gestern an der Bannmeile des Abgeordnetenhauses demonstriert. Dazu sangen sie „Das ist unser Haus“, ein Lied, das sie mit der Sängerin Karin Bädtker aufgenommen hatten.

Von der Bannmeile ging es dann direkt in den Plenarsaal des Abgeordnetenhauses, allerdings mussten sie vorher ihre Plakate abgeben. Im Plenarsaal fand am Donnerstag das alljährliche Seniorenparlament statt. Senioren können Fragen an Senatoren und Abgeordnete aller Fraktionen stellen.

Der Senat war durch Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD), die Senatorin für Arbeit Dilek Kolat (SPD) und Sozialsenator Mario Czaja (CDU) vertreten. „Hier kann man mal den Politikern persönlich eine Frage stellen,“ sagte Peter Venus, Sprecher der Senioren. Aber entschieden wurde gestern nichts.

Seit nun acht Wochen besetzen die Senioren ihre Begegnungsstätte. Damit haben sie eine erhebliche Welle losgetreten. Die Volkssolidarität hat Interesse angemeldet, den Seniorenklub zu übernehmen. „Aber wir können solche Kosten nicht alleine übernehmen. Der Bezirk hängt die Latte für freie Träger zu hoch“, sagt die Landesvorsitzende der Volkssolidarität, Heidi Knaacke-Werner (Linke), frühere Sozialsenatorin in Berlin. Der Bezirk schätzt die Kosten einer Sanierung auf rund zwei Millionen Euro, plus die laufenden Betriebskosten von etwa 27 000 Euro im Jahr. Nächste Woche stimmt die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in Pankow darüber ab, ob der Bezirk einen freien Träger der Seniorenbegegnungsstätte finanziell unterstützen soll.

Die Senioren bekommen große Unterstützung aus der Linkspartei. Selbst der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, war schon persönlich in der Stillen Straße. Er hatte einen Architekten beauftragt, die Kosten für eine Sanierung zu schätzen. Dieser ermittelte einen Finanzbedarf in Höhe von 100 000 Euro. Bis zum 20. September können sich auch andere freie Träger für den Seniorentreff bewerben. Aber auch wenn sich kein Träger finden sollte: „Wir werden noch eine ganze Weile dableiben“, sagte die 72-jährige Doris Syrbe bei ihrer Ansprache vor dem Seniorenparlament.

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