Besetztes Gotteshaus : Hälfte der Roma verlässt Kreuzberger Kirche

Einen Tag nach der Besetzung haben 28 Roma die katholische Kirche in der Wrangelstraße verlassen und wollen in einem Heim für Asylbewerber unterkommen. Der andere Teil der Gruppe will weiter im Gemeindesaal ausharren.

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Roma beim Verlassen des Kirchgeländes. -Foto: ddp

BerlinNach rund 24 Stunden hat am Freitagnachmittag rund die Hälfte der Roma den Gemeindesaal der St.Marien-Liebfrauen-Kirche in Kreuzberg verlassen. 28 Mitglieder der Gruppe hätten sich entschlossen, das Angebot des Senats für eine Unterbringung im Spandauer Heim für Asylbewerber anzunehmen, sagte der Pfarrer der katholischen Gemeinde, Olaf Polossek. Rund 20 Menschen seien geblieben. "Wir wissen nicht, was wir jetzt noch tun sollen."

Nach Angaben des Pfarrers hat die Unterstützergruppe aus dem Bethanien die Familien am Donnerstag in die Kirche geführt und sie dazu gebracht, das Gebäude zu besetzen. Um die Würde des Gotteshauses zu wahren, habe sich die Gemeinde entschlossen, den Roma eine Übernachtung im Pfarrsaal zu gewähren. Der Pfarrer betonte, es sei kein Asyl gewährt worden. "Wir reagieren nur humanitär."

Bezirksstadtrat warnt Unterstützer

Der Sozialstadtrat des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Knut Mildner-Spindler (Linke), betonte am Freitag, er sehe keine Alternative zur Unterbringung der Roma in der Einrichtung an der Spandauer Motardstraße. Dort stehe ein Haus zur Verfügung, das in Größe und Kapazität den Anforderungen entspreche, sagte er. Für das Pfingstwochenende sei eine Bereitschaft eingerichtet worden, damit die Familien jederzeit in der Einrichtung aufgenommen werden könnten, "wenn sie das wollen".

Der Bezirksstadtrat warnte die Unterstützer davor, die Roma für eine "verantwortungslose politische Auseinandersetzung" über Ausländerpolitik zu missbrauchen.

Bis zu 90 Roma, die mit Touristenvisa nach Deutschland eingereist sind, waren zuvor im ehemals von der Initiative "New Yorck" besetzten Seitenflügel des früheren Krankenhauses Bethanien in Kreuzberg untergekommen. Die Polizei hatte sie aus dem Görlitzer Park vertrieben, wo sie wild campierten. (ho/ddp)

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