Besetzung statt Bescherung : Studenten harren in Unis auch an Feiertagen aus

Die streikenden Studierenden in der Berliner Humboldt-Universität harren auch während der Weihnachtszeit im Gebäude aus, genauso wie ihre Kommilitonen in Potsdam und an der Freien Universität in Dahlem. "Richtig besinnlich" soll es am Weihnachtsabend gewesen sein.

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Weihnachten im Uni-Flur. An der HU hielten die Studenten auch über die Feiertage die Stellung. Foto: Uwe Steinert

In der Mitte der Tische liegen rote Servietten mit goldenen Sternchen darauf, auf dem Fensterbrett steht ein kleiner Weihnachtsbaum mit bunten Lichtern – und am großen Computer wird die Revolution des deutschen Bildungssystems vorangetrieben. In Online-Foren, am Feiertag. Die streikenden Studierenden in der Berliner Humboldt-Universität harren auch während der Weihnachtszeit im Gebäude aus, genauso wie ihre Kommilitonen in Potsdam und an der Freien Universität in Dahlem.

„Wir haben Anliegen und die hören nicht an Weihnachten auf“, sagt Dennis, 27, der an Heiligabend von einem kurzen Urlaub bei den Eltern in Westfalen zurück nach Berlin kam. Seit Anfang November schon wohnt er in der Uni, schläft auf einem Treppenabsatz vor dem Audimax, viele weitere Schlafsäcke liegen im Hörsaal. Etwa 15 Besetzer streiken auch über Weihnachten gegen die Überregulierung des Studiums und für eine Reform von Bachelor und Master – unter anderem. Und die Heimfahrer werden bald zurückerwartet. Rund 30 zählen zum festen Kern.

Diejenigen, die in Berlin blieben, haben es sich so gemütlich wie möglich gemacht. „Richtig besinnlich“ sei es am Weihnachtsabend gewesen, erzählt Karina, 19, und zeigt auf die Kerzen auf dem Tisch. Es ist Mittag, und einer nach dem anderen taucht zum Frühstück auf, im Pyjama, im Bademantel, in der Winterjacke; Dennis hat eine Runde Brötchen und Pflaumenmarmelade ausgegeben. An Heiligabend kamen die Eltern einer Besetzerin vorbei und kochten Ratatouille für alle. Auch Karinas Mutter war schon zu Besuch: Wie die meisten der Eltern hat sie Verständnis für den Protest.

Von den bunten Fensterscheiben im Treppenhaus blicken strenge Gesichter auf die Frühstücksrunde. Einstein, Leibniz, Newton. Auf einer Scheibe steht ein Spruch von Karl Marx, die Sonne durchleuchtet ihn: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ Passieren wird in der HU in den nächsten Tagen nichts. Im Januar steht wieder eine Vollversammlung an. Bis dahin bleibt den Besetzern: reden, lesen, warten. tja

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