Berlin : Besondere Hilfe für Migranten

Integrationsprojekt „Stadtteilmütter“ wird ausgebaut

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Die „Stadtteilmutter“ Havva Tastekin knüpft die Verbindung zu anderen Müttern meist auf der Straße: „Wenn ich meine Kinder in die Schule bringe, spreche ich mit den Frauen und verteile Werbezettel auf Türkisch.“ Sie macht Hausbesuche, redet über Erziehung und Ernährung, hilft bei Behördengängen und Schulproblemen, verteilt Broschüren.

Ein Drittel der Bewohner Neuköllns ist ausländischer Herkunft – das birgt ein hohes Potenzial an Integrationsbedarf. Diesem Anliegen nehmen sich seit zwei Jahren die „Stadtteilmütter“ an. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Projekt zur Integration von Familien mit Migrationshintergrund. „Unser Ziel ist es, den Kindern den Zugang zur Bildung zu erleichtern. Das funktioniert nur über die Eltern“, sagt Alix Rehlinger vom Diakonischen Werk, das die Initiative startete. Die 28 meist türkischsprachigen Frauen wurden in einem sechsmonatigen Kurs geschult. Sie sind im Schiller-Kiez unterwegs. Mehr als 160 Familien wurden bisher betreut. „Viele Eltern melden ihre Kinder jetzt in der Kita an und übernehmen mehr Verantwortung für ihre Familien.“

Nun soll es ausgebaut werden. Gestern wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Bezirksamt, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, dem ARGE Jobcenter Neukölln und dem Diakonischen Werk Neukölln-Oberspree e.V. unterzeichnet.

Darin verpflichten sich die Beteiligten, ab dem 1. September ein Netz von 200 „Stadtteilmüttern“ über Neukölln zu spannen. Es soll eine flächendeckende Integrationshilfe schaffen und ist bundesweit bisher einmalig.

Bis 2008 sollen 2000 Familien beraten werden. Die „Stadtteilmütter“, die bisher größtenteils ehrenamtlich arbeiteten, bekommen künftig einen festen Arbeitsvertrag im ABM-Rahmen. Das Pilotprojekt soll 915 000 Euro kosten, die vom Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ und aus dem Haushalt des Bezirks Neukölln kommen. lga

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