Berlin : Besser lesen für das Leben

Die Universität Potsdam lässt Migrantenkinder von Studenten unterrichten

Daniela Martens

„Die ganz langen Wörter kann ich jetzt viel besser lesen, solche wie Spinnenwebfaden und Brombeerstrauch“, sagt die zehnjährige Assma. Die Viertklässlerin mit dem gepunkteten Kopftuch gehört zu einer Gruppe von 136 Grundschülern, deren Lesekompetenz seit über einem Jahr in dem Projekt „Lesen lernen – Lernen lernen“ gefördert wird. Initiatoren sind der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller sowie die Uni Potsdam.

Assma besucht die E.-O.-Plauen- Schule in Kreuzberg, eine der zwölf beteiligten Schulen. Zweimal pro Woche werden die im Lesen schwächsten Schüler in kleinen Gruppen von 24 Potsdamer Lehramtsstudenten nachmittags unterrichtet. Mit Liedern, Gedichten und Sprachspielen geht es bei der Hälfte der Kinder um eine bessere Lesetechnik. Die andere Hälfte lernt, deutsche Texte inhaltlich zu verstehen. Wie Assma, deren Eltern aus Marokko kommen, sind fast alle geförderten Kinder nichtdeutscher Herkunft.

Gestern zogen der Kaufleuteverein VBKI und die wissenschaftliche Projektleiterin, Agi Schründer-Lenzen, Zwischenbilanz. Die Professorin für Grundschulpädagogik berichtete von großen Fortschritten der Kinder mit dem speziell erarbeiteten Unterrichtsmaterial. Schründer-Lenzen evaluierte die Fortschritte der Schüler und der angehenden Lehrer: Auch um ihre Vorbereitung auf den Unterricht mit Migrantenkindern geht es in dem Projekt.

Seit Beginn der ersten Klasse sind alle geförderten Schüler zweimal im Jahr auf ihre Fähigkeiten getestet worden. Trotz des deutlichen Fortschritts betonte die Wissenschaftlerin, dass ein Jahr Förderung nicht genüge, um an die Leistungen deutschsprachiger Kinder heranzureichen. Deshalb hat der VBKI auch für das zweite Jahr die Förderung zugesichert. „Lesen ist für die Kinder an unserer Schule oft alles andere als selbstverständlich“, sagte Hannelore Kleemann, Leiterin der E.O.-Plauen-Schule, in der das Projekt präsentiert wurde. Viele hätten nicht einmal eigene Bücher. Assma jedoch besitzt ein dickes Märchenbuch. Seitdem sie an der Förderung teilnimmt, liest sie viel häufiger darin – vor allem ihr Lieblingsmärchen „Schneewittchen“.

Der VBKI investiert 150 000 Euro pro Jahr in soziale und Bildungs-Projekte. „Deutschland hat nur dann eine Zukunft, wenn wir uns um unsere Kinder kümmern – insbesondere an den sozialen Brennpunkten“, begründete Präsident Klaus von der Heyde das Engagement des Vereins, der auch die Lesepaten-Initiative des Bürgernetzwerks Bildung finanziert.

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