Berlin : Bessere Busse für Kinderreisen Die Polizei stellt weniger Mängel fest als früher

Christine Berger

Ein typischer Anblick vor den Sommerferien: Gruppen von Kindern stehen mit Gepäck am Straßenrand und warten auf den Bus, der sie zu ihrem Reiseziel befördern soll. Biegt er endlich um die Ecke, beginnt ein aufgeregtes Geschnatter, Eltern verabschieden sich. Wäre da nicht die Polizei, könnte es bald losgehen. Rund 550 Reisebusse kontrollieren die Berliner Beamten jedes Jahr, meistens haben Eltern oder Lehrer die Überprüfung vor der Abfahrt angemeldet. So auch vor kurzem, als Beamte einem Reisebus die Weiterfahrt untersagten, da die Bremsen defekt waren. Die Lehrerin einer Grundschule in Mitte hatte den Bus für zwei dritte Klassen als Standard-Doppeldeckerreisebus gebucht. Was sie und die Eltern am Abfahrtstag zu sehen bekamen, war ein alter Stadtrundfahrt-Bus aus Schwerin, der wenig vertrauenswürdig aussah, vom Logo der beauftragten Firma City Bus Tour keine Spur. Der Grund: Das Busunternehmen hatte einen Subunternehmer beauftragt.

„Dass Busse Mängel aufweisen, kommt immer seltener vor“, sagt Wolfgang Mache, Hauptsachbearbeiter im Bereich Sonderverkehr der Berliner Polizei. 2007 wurden acht Busse wegen gravierender Beanstandungen stillgelegt, 2003 waren es 52. Aufsehen erregte vergangenen Mai der Fall eines schrottreifen Reisebusses, der am Kurt-Schumacher-Platz in Wedding wegen Mängeln an Reifen, Lenkung, Bremsen und Auspuff stillgelegt wurde. Der Fahrer wollte Kinder an die Ostsee bringen.

„Die Kontrollen haben sich bei den Unternehmen herumgesprochen“, sagt Menge. Dennoch rät er Eltern, nicht gleich das billigste Angebot zu buchen und sich über die Sicherheitsstandards zu informieren. Oft liegen die Angebote von seriösen und Billig-Anbietern nicht weit auseinander. Busunternehmer setzen bei Schülergruppen auch deshalb gerne ältere Busse ein, weil die jungen Fahrgäste oft Süßigkeiten essen, was häufig Spuren hinterlässt.

Wer auf Nummer sicher gehen will und den gebuchten Reisebus von der Polizei kontrollieren lassen möchte, sollte sich zwei Wochen vorher dort anmelden. Einen Rechtsanspruch auf die Kontrolle gibt es nicht. „Wer einen Bus ohne Sicherheitsgurte bucht, bekommt ein älteres Modell“, sagt Martin Kassler, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer. Für alle Busse ab dem Baujahr 2000 seien Beckengurte vorgeschrieben, für die älteren Modelle nicht. Auch Kassler meint, dass vor allem übertriebene Sparsamkeit von Eltern und Schulen Ursache dafür sei, dass verkehrsuntaugliche Busse zum Transport eingesetzt werden. „Die Sicherheit der Kinder sollte das Wichtigste sein“, sagt er.

Für die Kinder aus Mitte nahm der Abreisetag ein gutes Ende; dem vom Busunternehmen gestellte Ersatzbus bescheinigten die Polizisten einen einwandfreien Zustand. So ging es mit zweistündiger Verspätung dann doch auf Klassenfahrt. Christine Berger

Infos der Berliner Polizei über die kostenlose Überprüfung von Reisebussen im Internet unter www.berlin.de/polizei/service/buskontrollen.html

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