Berlin : Bestandener Boulettentest

Wolfram Siebeck feierte seinen neuen Restaurantführer mit einem Mittagessen

Elisabeth Binder

Wenn Siebeck den Bouletten traut, ist das so eine Art Ritterschlag für ein Restaurant. Der Altmeister der Restaurantkritik und notorische Currywurstverächter liebt nicht nur beim Schreiben eine klare Sprache, er weiß auch gern genau Bescheid darüber, was er zu sich nimmt. Aus diesem Grunde verzichtet er auf Würste jeglicher Art, jedenfalls in Deutschland.

Beim Lunch im Restaurant McBride’s stellte er seinen Restaurantführer Berlin vor. Gewidmet hat er ihn Ehefrau Barbara, seiner „unermüdlichen Mitläuferin“, deren Model-Figur gleichzeitig die beste Reklame für hochwertiges Essen ist. Zu den Gästen zählten Szene-Wirtin Doris Burneleit, Borchardt-Chef Roland Mary und Moritz Müller-Wirth, Leiter des ZEIT-Ressorts Leben, in dem Siebecks Stücke erscheinen. ZEIT-Geschäftsführer Rainer Esser erzählte, dass Siebeck zwar zum Ehrenritter der französischen Landwirtschaft ernannt worden ist, aber nie das Bundesverdienstkreuz bekommen habe, vielleicht, weil er Kohl einst einen Fettwanst nannte und Scheel einen Schnorrer. An einen furchtbar nervenden Siebeck erinnerte Pomp-Duck-Chef Hans-Peter Wodarz, der ihn vor vielen Jahren als Jungkoch im Münchner Tantris erlebte: „Seine vielen Fragen waren gefürchtet.“

Diesmal ließ sich der dienstälteste Vorkoster der Nation selbst befragen. Der bekennende Mittagesser („Dann sind die Geschmacksnerven noch ausgeruht“) mäkelte, das Weinglas bedächtig in der Hand schwenkend, an den eher späten Berliner Öffnungszeiten herum und gab seiner Furcht Ausdruck, dass die Landwirtschaftsministerin Renate Künast ihre guten Absichten nicht durchsetzen könne. Ohne einwandfreie ökologische Produkte ist gutes Essen nicht denkbar. Da geht es nicht nur um die Wurst. Abgesehen von der Currywurst hat der Pionier der deutschen Feinschmeckerei inzwischen auch mit Berlin seinen Frieden geschlossen. Zwei Monate hat er am Stück hier recherchiert. Die Stadt sei heute „quantitativ“ die interessanteste Gourmetstadt Deutschlands, bemerkte er mit feiner Spitze.

Das allein erklärt allerdings noch nicht das Zutrauen zu den Bouletten in der Brasserie McBride’s. In der Tat hat das auch familiäre Gründe. Betreiber Brian McBride ist Barbara Siebecks Sohn.

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