Bestattungsrecht : Sarglos ins Grab

Muslime dürfen im Leichentuch bestattet werden, so, wie es ihre Religion vorschreibt. Der Integrationsbeauftragte rechnet mit einer steigenden Nachfrage.

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Nein, man müsse keine Angst haben, dass demnächst auch viele Christen ihre Toten aus Kostengründen im Leichentuch bestatten lassen – Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening schmunzelt. Zwar habe der Senat am Dienstag mit dem Integrationsgesetz auch eine Änderung des Bestattungsrechts beschlossen, diese gelte aber ausnahmsweise aus religiösen Gründen.

Nach muslimischer Tradition ist eine Bestattung nur im Leichentuch vorgesehen, der in Deutschland geltende Sargzwang war für rund 90 Prozent aller muslimischen Einwanderer der Grund, sich in ihren Heimatländern beerdigen zu lassen. Deshalb haben einige Bundesländer bereits den Sargzwang abgeschafft. Berlin betritt also nicht unbedingt Neuland.

„Dennoch war es ein großer Aufwand, weil ja auch die gesundheitlichen, sprich: hygienischen Vorschriften für eine solche Bestattung sowie für die ebenfalls vorgesehenen rituellen Waschungen entsprechend angepasst werden mussten“, sagt Piening. Er ist froh, dass es geschafft wurde. „Da, wo sich Menschen ihre letzte Ruhestätte wählen, haben sie sich offensichtlich wohlgefühlt“, sagt er. „Und dort entsteht dann auch ein Fixpunkt für ihre Nachkommen.“

Die sarglose Bestattung soll es ab 2011 auf den beiden Friedhöfen mit muslimischem Grabfeld in Gatow und Kreuzberg geben. Das Interesse daran wird stark zunehmen, da ist sich Piening sicher: „Die ersten Zuwanderer sind jetzt zwischen 60 und 65 Jahre alt, das ist aber nur der Anfang.“

2008 sind in Berlin schätzungsweise rund 500 bis 600 Muslime verstorben. 70 Prozent wurden in ihre Heimat überführt, doch die Zahl derjenigen, die in der Nähe der in Berlin lebenden Kinder und Enkel bestattet werden wollen, steigt. Platzprobleme müsse man nicht befürchten, sagt der Integrationsbeauftragte. Zwar sei das muslimische Grabfeld in Gatow nicht so beliebt, weil es weit außerhalb liege, aber auch in Kreuzberg könne man das Grabfeld noch erweitern. Vorwürfe einiger Bestattungsunternehmen, wonach die sarglose Beisetzung unhygienisch sei, weist Piening unter Hinweis auf die angepassten Vorschriften zurück. Da seien wohl wirtschaftliche Interessen im Spiel, vermutet er. Sandra Dassler

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