Bestechungsvorwurf gegen Klinikmanager : Razzia bei Vivantes in Reinickendorf

Dem Finanzchef des Klinikkonzerns wird fortgesetzte Bestechlichkeit vorgeworfen. Nun wurde der Beschuldigte suspendiert – es ist ein weiterer Fall in einer langen Serie.

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Vivantes-Schild
Seit mehr als zehn Jahren bilden die städtischen Kliniken in Berlin den Vivantes-Konzern.dpa

Die Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag die Vivantes-Zentrale in Reinickendorf durchsuchen lassen. Ziel der Razzia waren Räume des Finanzgeschäftsführers der landeseigenen Klinikkette. Dem Vernehmen nach durfte der Manager dabei eine Zeitlang sein Büro nicht verlassen. Gegen ihn besteht dringender Tatverdacht wegen gewerbsmäßiger Bestechlichkeit. Der Vorwurf wiegt schwer, die Taten sollen seit längerem „fortgesetzt“ erfolgt sein. Nach Tagesspiegel-Informationen geht es um extern vergebene Dienstleistungen und einen fünfstelligen Geldbetrag. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft war am Donnerstagabend nicht mehr zu erreichen. Die Vivantes-Leitung bestätigte den Vorgang, nannte aber keine Details. Der Vivantes-Aufsichtsratsvorsitzende Peter Zühlsdorff hat noch am Donnerstag erste Konsequenzen gezogen: „Der Finanzgeschäftsführer wird mit sofortiger Wirkung von seinen Dienstgeschäften entbunden“, teilte das Unternehmen mit, man wolle „vollumfängliche Kooperation mit den Ermittlungsbehörden“. Derzeit sei nicht erkennbar, dass weitere Mitarbeiter des Unternehmens beteiligt seien. Die Suspendierung des Vorstandsmitgliedes mag Folge individueller Fehler sein. Sie reiht sich aber in eine Serie von Anzeigen, Entlassungen und Führungswechseln ein. Erst in diesem Januar war der Ex-Vivantes-Chef Joachim Bovelet wegen Untreueverdachts angezeigt worden. Zuvor war er von seinen Posten im Sommer 2013 nach Streit mit Finanzsenator und Aufsichtsratsmitglied Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) zurückgetreten. Bovelet hatte sich, heißt es intern, mit dem nun verdächtigten Finanzgeschäftsführer überworfen, der erst kurz zuvor zu Vivantes gekommen war. Der Finanzchef galt als Unterstützer von Nußbaum. Im Unternehmen selbst, berichteten am Donnerstag mehrere Mitarbeiter, habe sich der Finanzchef, der zuvor selbstständiger Wirtschaftsberater war, als „neuen starken Mann“ gesehen. Dabei war seine für diesen Mai geplante Wiederwahl als Finanzvorstand selbst ohne die erfolgte Razzia nicht sicher: Zumindest die Arbeitnehmervertreter im dafür zuständigen Aufsichtsrat hatten Vorbehalte gegen den Manager. Der betroffene Finanzvorstand war am Donnerstag über Vivantes nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Es gelte die Unschuldsvermutung, hieß es aus dem Unternehmen. Wie berichtet leitet Andrea Grebe – 52 Jahre alt und Ärztin – die Berliner Klinikkette derzeit kommissarisch. Sie ist weder von den Kämpfen zwischen Bovelet und Nussbaum betroffen, noch dürfte ihr der Tatverdacht gegen ihren nun suspendierten Finanzvorstand nachhängen: Grebe sei von den Ermittlungen nicht nur nicht betroffen, hieß es von Kennern, sondern genieße weiter die Unterstützung vieler Beschäftigter und Aufsichtsräte. Grebe ist erst seit Bovelets Weggang 2013 im Amt, der verdächtigte Finanzvorstand und der amtierende Vivantes-Personalchef sind auch erst seit 2012 im Vorstand. Zuvor waren nicht nur deren Vorgänger gegangen, sondern auch Mitarbeiter aus der zweiten und dritten Reihe hatten oder mussten Vivantes verlassen. Vivantes ist mit mehr als 14 000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Hauptstadt. Fast jeder dritte Berliner Klinikpatient wird in einem der neun Vivantes-Häuser behandelt. Ex-Chef Bovelet hatte vom Eigentümer, dem Land Berlin, zuletzt mehr Hilfe für Sanierungen verlangt.

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