Berlin : Bestes SPD-Ergebnis: Dilek Kolat

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Eine groß angelegte Kampagne des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg (TBB) und der Türkischen Gemeinde zu Berlin (TGB) motivierte sehr viele eingebürgerte Türken, zu den Wahlurnen zu gehen. 13 türkischstämmigen Kandidaten standen zur Wahl - vier sitzen nun im Abgeordnetenhaus: Dilek Kolat (SPD), Ülker Radziwill (SPD), Özcan Mutlu (Bündnis 90/Grüne) und Giyasettin Sayan (PDS). Doch wie viel hat ihnen die Kampagne der Vereine tatsächlich genützt? Schließlich war in den vergangenen zwei Wochen kaum eine Kandidatin so oft in den türkischen Medien zu sehen wie die Ausländerbeauftragte von Tempelhof-Schöneberg, Emine Demirbüken.

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Doch weder die Berichterstattung noch die Wahlwerbung haben ihr etwas genützt. Die CDU verlor die Wahlen - und mit ihr auch Emine Demirbüken. Etwa 30 Prozent der Stimmen in Berlin hätten die Christdemokratin bekommen müssen, damit sie auf Platz sechs der Bezirksliste in Reinickendorf eine Chance auf ein Mandat im Abgeordnetenhaus hat. "Ich nehme es nicht persönlich", sagte sie gestern selbstbewusst und doch mit enttäuschter Stimme. Auch Ahmet Algan, der als Einzelkandidat im Wahlkreis 3 in Kreuzberg in den Wahlkampf zog, wurden in die Wahlkampagne des TBB eingebunden. Algan, der dem Verwaltungrat der Islamischen Föderation angehört, bekam nur 190 Stimmen.

Die eigentlichen Sieger unter den türkischstämmigen Kandidaten sind die SPD-Direktkandidatinnen Ülker Radziwill und Dilek Kolat. Kolat bekam sogar von allen SPD-Kandidaten in Berlin die meisten Erststimmen in ihrem Wahlkreis in Friedenau. Der kurdischstämmige Direktkandidat Giyasettin Sayan (PDS) hat in Lichtenberg mit 47,4 Prozent der Stimmen ebenfalls ein sehr gutes Ergebniss erzielt, obwohl in diesem Ost-Berliner Bezirk kaum Türken oder Kurden leben. Alle drei Politiker wären also wohl auch ohne die Kampagne der Vereine ins Abgeordnetenhaus gewählt worden.

Özcan Mutlu von Bündnis 90/Grüne ist unter den Türken sehr bekannt. Er wohnt in Kreuzberg und ist zudem das ganze Jahr über in den türkischen Zeitungen zu sehen. Aber dieses Mal fehlten ihm für ein Direktmandat 280 Erststimmen. Vielleicht hätte er diese Stimmen bekommen, wenn nicht auch die PDS und die FDP erstmals türkischstämmige Kandidaten aufgestellt hätten. Am meisten hat diese Kampagne jedoch den den türkischen Vereinen genützt. Sie gehen davon aus, dass die türkischen Wähler gewiss nicht viel bewegen - aber das Zünglein an der Waage sein können, wenn sie alle zur Wahl gehen. Selbstbewusst werden sie sich deshalb in die Koalitionsvereinbarungen einklinken.

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