Berlin : Besuch bei Gastvater Gerhard

Empfang beim Bundeskanzler für 280 New Yorker Austauschschüler

Juris Lempfert

So viel uneingeschränkte Freude erlebt der Bundeskanzler bei seinen Auftritten in letzter Zeit wohl selten. Die 280 Jugendlichen, die Gerhard Schröder am Donnerstagvormittag im Kanzleramt empfing, begrüßen ihn mit euphorischem Jubel, Klatschen und Kreischen. Da ist es elf Uhr und die Band des Berliner Luftwaffenmusikcorps hat die jungen Leute mit James-Bond-Melodien schon in Stimmung gebracht.

Dem Kanzler gefällt es. Lange Zeit mischt er sich unter die 15- bis 18-Jährigen, gibt Autogramme und posiert für Erinnerungsfotos. Die 280 Schüler gehören zur vorerst letzten Gruppe 1000 junger Amerikaner, die Schröder bei einem New-York- Besuch kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 spontan nach Deutschland eingeladen hatte. „Brücke New York–Berlin“, heißt das Projekt, das auch von vielen deutschen Unternehmen unterstützt wird. Die Schüler wohnen dabei für zwei Wochen in deutschen Gastfamilien.

„Es gibt gute Gründe, dass wir uns alle enger zusammenschließen“, sagt Schröder zu den Schülern, „auch unter dem Eindruck dessen, was in der Welt geschieht.“ Und dann verspricht er, einen der Hauptsponsoren, Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp, anzurufen und darum zu bitten, weitere Besuche amerikanischer Jugendlicher zu unterstützen.

Dieser Anruf ist aber vielleicht gar nicht mehr nötig. Dem Tagesspiegel sagte der Berater von Jürgen Schrempp, Matthias Kleinert: „Das Austauschprogramm wird es hundertprozentig weiter geben, wenn auch in kleinerem Rahmen. Wenn der Bundeskanzler so etwas anregt, dann können wir nicht ablehnen.“

Nachdem die Stimmung unter den New Yorker Schülern auf der großen Treppe des Kanzleramts vom amerikanischen Botschafter Daniel Coats mit „Hipp-Hipp-Hurra“-Rufen weiter angeheizt worden ist, geben einige der Jugendlichen Musik-, Comedy- und Tanzeinlagen zum Besten. Ein 16Jähriger mit deutschen Vorfahren schuhplattelt. Schröder bekommt ein New-York- Handtuch, ein Gruppenfoto und einen Anstecker in den amerikanischen Nationalfarben geschenkt. Anschließend geht es an die frische Luft. Im Garten des Kanzleramts dürfen die Gäste in den Diensthubschrauber des Bundeskanzlers klettern. Um halb eins muss Schröder dann weg. Er hat noch Termine an diesem Tag. Wahrscheinlich weniger lustige.

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