Berlin : Besuch beim jungen Fritz

Eine neue Ausstellung im Schloss Rheinsberg erinnert an den Kronprinzen Friedrich Der spätere Preußenkönig soll hier seine glücklichsten Jahre verbracht haben.

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Glänzende Aussichten. Der Spiegelsaal im Schloss Rheinsberg kann vom morgigen Sonnabend an nach der Restaurierung wieder besichtigt werden. Foto: dpa/Bernd Settnik
Glänzende Aussichten. Der Spiegelsaal im Schloss Rheinsberg kann vom morgigen Sonnabend an nach der Restaurierung wieder...Foto: dpa

Im Friedrich-Jahr hätten sich viele märkische Schönheiten für eine spezielle Ausstellung angeboten. Schloss Sanssouci, das Chinesische Haus oder die Bildergalerie in Potsdam standen neben Neuruppin, Neuhardenberg und Königs Wusterhausen ganz oben auf der Favoritenliste. Doch tatsächlich geschafft hat es neben der großen Schau „Friederisiko“ im Neuen Palais letztendlich nur Rheinsberg. Hier soll der junge Friedrich als Kronprinz schließlich seine „glücklichsten Jahre“ verbracht haben, wie es in sämtlichen Reiseführern heißt. Das berühmte Zitat gibt es dabei gar nicht. Lediglich in einem Gespräch 1759 – also 19 Jahre nach seiner Thronbesteigung – soll er einmal geäußert haben: „Nur in Rheinsberg habe ich während kurzer Augenblicke einen Schimmer von Glück kennengelernt“. Daraus schlug die rund 100 Kilometer nördlich Berlins gelegene Kleinstadt schon 1903 ihr Kapital, in dem sie vor dem Schloss ein Kronprinzendenkmal aufstellte und sich als „Friedrich- Stadt“ vermarktete.

Vom morgigen Sonnabend an widmet sich eine Ausstellung im bekannten Wasserschloss unter dem Motto „Friedrich ohne Ende“ der Rheinsberger Zeit und den Folgen des Kults um den Preußenkönig im Film, in der Literatur, in der Schule, auf Bildern, in Festspielen und in anderen Bereichen. „Unsere Ausstellung ‚Friederisiko’ im Neuen Palais kann die Rheinsberger Konkurrenz gut vertragen“, sagte der Generaldirektor der Schlösserstiftung, Hartmut Dorgerloh, bei einem Rundgang durch die bis zum 28. Oktober geöffnete Ausstellung. „Bis Donnerstag haben wir im Neuen Palais genau 189 974 Tickets verkauft und sind damit hoch zufrieden.“ Weil sich die Besucher viel Zeit nehmen – durchschnittlich drei Stunden –, gibt es besonders nach der Mittagszeit längere Wartezeiten. Es empfiehlt sich daher die Buchung eines Tickets im Netz (tickets.spsg.de).

Solche Befürchtungen gibt es im Schloss Rheinsberg nicht. „Wir haben gar nicht so viel Platz, um hunderte Exponate zu zeigen“, sagt der Chef des Schlosses, Detlef Fuchs. „Die Auswahl fiel daher auf 14 Stücke, die wirklich eine Rarität darstellen.“ Dazu gehören Skizzen des Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, frühe Malstudien der Kronprinzessin Elisabeth Christine und ein Brief Friedrichs an Voltaire.

Diese Stücke werden in Räumen rund um den in alter Pracht strahlenden Spiegelsaal gezeigt, der erstmals seit dem Kriegsende 1945 wieder so wie zu Friedrichs Zeiten zu betrachten ist. „Der Raum scheint grenzenlos zu sein“, schwärmt Detlef Fuchs. „Die Fenster und die Decke stellen eine raffinierte Verbindung zur grünen Umgebung her, dass man ins Staunen über die Einfälle des damals 20-jährigen Kronprinzen kommt.“ Er habe sich bei seinen Konzerten wohl „grenzenlos“ fühlen wollen, wenn er auch die Fertigstellung des Spiegelsaals nicht mehr selbst erlebte. In Potsdam setzte er dann viele Dinge fort, die in Rheinsberg ihren Anfang genommen hatten.

Der Spiegelsaal, so erfährt der Besucher in dem vom Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum gestalteten zweiten Ausstellungsteil, war auch zu DDR-Zeiten zugänglich. Die übrigen Räume beanspruchte ein Diabetikersanatorium. „Im Jahr 1985 sollten die Patienten in einen Neubau verlegt werden, um hier ein Schlossmuseum einzurichten“, sagt Museumsleiter Peter Böthig. „Wir haben sogar eine Kopie des Konzepts mit der Unterschrift Erich Honeckers gefunden.“ Eine zweiwöchige Ausstellung unter dem Titel „Rheinsberg – eine märkische Residenz“ hatte damals ein so unerwartet großes Aufsehen auch in West-Berlin gefunden, dass sich die DDR-Behörden dem Friedrich-Interesse nicht entziehen wollten. Geschehen ist aber nichts. Es fehlte schlichtweg an Geld für ein neues Sanatorium. Erst nach der Wende konnte der Umbau zum Museum am 1. April 1991 begonnen werden, der mit der Ausstellung auch wirklich abschlossen ist.

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