Besuch im Abgeordnetenhaus : Gauck zählt fröhlich Stimmen

Joachim Gauck weiß, dass er wenig Chancen auf eine erfolgreiche Kandidatur als Bundespräsident hat. Aber der Kandidat der SPD und Grünen zählt inzwischen „etwas fröhlicher“ die Stimmen, wie er am Mittwoch nach seiner Vorstellung im Abgeordnetenhaus sagte.

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Eineinhalb Stunden sprach der 70-Jährige mit Wahlleuten und Politikern von SPD, Grünen, Linken und FDP. Nur die CDU war bei der nichtöffentlichen Veranstaltung abwesend.

Bei dem Treffen sprach Gauck über das Thema Integration, das Berlin als „Schmelztiegel“ der Kulturen besonders betreffe. Seine Botschaft an die Abgeordneten sei, in einem Land leben zu wollen, in dem Zugewanderte mit leuchtenden Augen von ihrer neuen Heimat sprechen. Diese Haltung müsse befördert werden, da Deutschland Zuwanderer brauche.

„Antikapitalistische Attitüden“ seien ihm sehr fremd. Wer einen Systemwechsel wolle, werde bei ihm auf Widerstand stoßen. Und wer den Kapitalismus abschaffen will, „erscheint mir ein Träumer“, distanzierte sich Gauck von den Linken. Landeschef Klaus Lederer sagte, es sei problematisch, dass Gauck der CDU und FDP ebenso nahestehe wie der Kandidat der Koalition, Christian Wulff.

In der Linken wird derzeit diskutiert, ob Gauck in einem möglichen dritten Wahlgang in der Bundesversammlung mitgewählt werden sollte. SPD-Parteichef Michael Müller und Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann waren nach dem Treffen mit Gauck beeindruckt. Gauck mache „Mut und Lust auf Demokratie“, sagten sie. Gauck sei ein „hervorragender Botschafter aus der Mitte der Gesellschaft“, sagte auch FDP-Parteichef Christoph Meyer. Dennoch werde die Berliner FDP den Voten von Fraktion und Landesvorstand folgen und Wulff ihre Stimmen geben.

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