Berlin : Besuch im Allergeheimsten

Tagesspiegel-Leser hinter den Kulissen des Hotel Adlon am Pariser Platz: Seltene Ein- und Ausblicke – von der Sicherheits-Suite bis in die Küchen

Christian van Lessen

Es gibt da so einen speziellen Lift, der Weg dorthin ist nicht leicht zu finden. Fährt man den bis oben, steht man in einem langem Flur, an dessen Ende eine Tür ist, mindestens so stabil wie ein Banktresor. Sie führt zur neuen Sicherheits-Suite, mit der man hohe Besucher anlocken will. Über die Art der Sicherheit wird nichts verraten. „Fragen Sie mich bitte nicht“, sagt Beatrice Schwarz, die Sprecherin des Hotels Adlon – lädt aber zum Gucken ein: „Hereinspaziert in die heiligen Hallen.“ Sie zeigt die Bäder, die Arbeitsräume, die kleine Küche, das große Schlafzimmer mit dem Himmelbett samt sieben roten Kissen.

Einer Gruppe von 30 Tagesspiegel-Lesern hat das Adlon Einblicke gewährt, die sonst unmöglich oder sehr teuer sind. Beispielsweise in die – wie es offiziell heißt – „Präsidentensuite mit Sicherheitsflügel“. Sie ist gerade fertig geworden, 240 Quadratmeter groß und kostet pro Nacht 12 000 Euro – aber mit Frühstück.

Die Stadtplanung und die Arbeit des scheidenden Senatsbaudirektors Hans Stimmann sind Anlass für die spezielle Adlon-Visite. Der Tagesspiegel hat Stimmanns Wirken an markanten Punkten der Stadt beschrieben und Ortsbesichtigungen arrangiert. An der Gestaltung des Pariser Platzes war Stimmann beteiligt. Und das Adlon prägt den Platz.

Als Hoteldirektor Thomas Klippstein die Gäste empfängt, erfahren sie von der „interessanten, einmaligen Zeit“, die das Adlon hinter sich hat. Hier hatte der Weltfußballverband Fifa während der Fußball-WM seine VIP-Lounge, hier gingen Präsidenten und Organisatoren ein und aus. Klippstein spricht von der langen Tradition des Hauses, davon, dass es das erste Berliner Luxushotel war, in dem Zimmer eigene Bäder hatten. Er erinnert an das Ende in den Kriegs- und frühen Nachkriegsjahren, an die „Idee“, es irgendwann an alter Stelle wieder aufzubauen. Und er sagt, dass im nächsten Jahr gleich zwei Jubiläen gefeiert werden: Das 100-Jährige des Bestehens, Lorenz Adlon gründete 1907 das Haus, und das zehnjährige des Adlon-Wiederaufbaus durch die Fundus-Unternehmensgruppe am alten Standort Pariser Platz.

Empfangschefin Irmela Heinsius und Chefconcierge Joachim Lenk erklären, dass sie viel Diplomatie im Umgang mit den Gästen brauchen, dass sie „mit viel Herzblut“ bei der Sache sind. Sie fühlten sich oft als Retter in fast allen Lebenslagen, könnten „vielleicht“ auch Karten für ausverkaufte Theater- oder Opernaufführungen besorgen. Was die Adlon-Leute verschweigen, bringt Leser Heinrich Horn in Erinnerung: „Sie sind 2005 zum besten Hotel Europas gewählt worden.“ Besucherin Gaby Steinhaus gerät ins Schwärmen: „Das Haus ist ein Traum.“

Aus einer der vier Berlin-Suiten (80 Quadratmeter, 1900 Euro pro Nacht) blickt sie auf den Pariser Platz, auf dem Tisch im Wohnzimmer stehen Champagner, Obst und Pralinen. Die stellvertretende Hausdame Steffi Gerbig erzählt, dass ein Zimmermädchen elf Zimmer am Tag „schafft.“ Sie zeigt, dass im Hotel mit seinen fast 400 Zimmern – etwa so viele Mitarbeiter gibt es auch – noch richtige Schlüssel verwendet werden. „Gibt es auch Gäste, die ständig im Adlon wohnen?“, möchte Leserin Sandy Bonenkamp wissen. Das wird nicht verraten.

Es geht ins Restaurant „Quarré“, wo Oberkellner Sebastian Kaap erklärt, wie schnell mehrgängige Menüs für eilige Geschäftsleute hergerichtet werden müssen. Küchenchef Matthias Neeser lädt anschließend zum Besuch in die Küche des Gourmet-Restaurants Lorenz Adlon.

Das Haus hat drei Restaurants, insgesamt 70 Köche, rund um die Uhr ist einer im Haus. „Wer um Mitternacht ein Rinderfilet will, bekommt es auch.“ Und natürlich schäle man die Kartoffeln mit der Hand. Restaurantleiter Gerhard Retter serviert Snacks vom Feinsten, den Köchen macht das Erklären Spaß. „Wer gern kocht, kocht auch gut“, meint Retter. Er verschweigt bescheiden, dass er 2005 zum Oberkellner des Jahres gewählt wurde. In der Patisserie gibt’s als süßen Abschied Torte, Pralinen und die Möglichkeit, sich am „Schokoladenbrunnen“ zu laben.

Das Hotel Adlon Kempinski kennt jeder von außen, von innen kennen es einige, so intern haben es die Besucher noch nie erlebt. Ein Paar beschließt, was nach Auskunft des Hauses viele Berliner tun: sich eine Übernachtung zu schenken, etwa zum Hochzeitstag. Es müssen keine Suiten sein. Die Preise beginnen bei 380 Euro, es gibt auch günstigere Sonderangebote.

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