Besuch im Bahnhof : Innensenator im Außendienst

Andreas Geisel inspiziert mit Neuköllns Bürgermeisterin den Problembahnhof des Bezirks.

von
Innensenator Andreas Geisel und Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey auf dem U-Bahnhof Neukölln.
Innensenator Andreas Geisel und Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey auf dem U-Bahnhof Neukölln.Foto: Paul Zinken/dpa

Noch während Innensenator Andreas Geisel (SPD) die Neuköllner Bürgermeisterin, Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamts begrüßt, muss er sich unterbrechen. Das Martinshorn eines Funkwagens übertönt ihn – der dritte Einsatz in fünf Minuten. Geisel wartet und lächelt: „Sehen Sie, wir zeigen Präsenz.“

Polizeipräsenz ist offenbar nötig am S- und U-Bahnhof Neukölln. Spätestens seit Mitte 2016 gibt es hier Probleme wegen Drogenhandels und der Entsorgung von Spritzen und Unrat – Anwohner fühlen sich nicht mehr sicher. Aus der Antwort des Senats zu einer parlamentarischen Anfrage des Neuköllner Abgeordneten Joschka Langenbrick (SPD) aus dem März geht hervor, dass Drogenkriminalität, Körperverletzungen und Diebstähle rund um den Bahnhof in den vergangenen Jahren stark zugenommen haben.

„Wir erleben hier einen klassischen Verdrängungsmechanismus“, sagt die Neuköllner Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). Weil die Polizei an Drogenschwerpunkten wie dem Kottbuser Tor, dem Görlitzer Park oder der Hasenheide stärker durchgreife, seien Dealer und Konsumenten zum Bahnhof Neukölln ausgewichen. Dass der Innensenator am Freitagabend den Weg in diesen Brennpunktkiez gefunden hat, liegt vor allem an Giffey. „Sie hat in den letzten Wochen wenig unversucht gelassen und mich mit Mails bombardiert, um mich über die Situation hier zu informieren“, sagt Geisel.

Zu bemängeln hat vor allem Giffey einiges. In der Halle des S-Bahnhofs fordert sie von der Hausherrin, der Deutschen Bahn, eine Videoüberwachung, von der Justiz konsequentere Urteile, und am Seiteneingang, wo es nach Urin stinkt und Reste von Spritzen liegen, wünscht sich die Bürgermeisterin eine bessere Beleuchtung. Geisel, dessen Behörde auf die Anfrage vor ein paar Wochen geantwortet hatte, ein Defizit in der Beleuchtung des Bahnhofs sei nicht bekannt, nickt und stimmt seiner Parteifreundin zu.

Dass repressive Maßnahmen allein nicht reichen, darüber sind sich die beiden SPD-Politiker einig. In einem Drogenmobil sollen Abhängige unter Aufsicht konsumieren dürfen, außerdem müsse es mehr Beratung geben und spezielle Mülleimer für benutzte Spritzen. „Es muss aber auch ein klares Zeichen geben, dass wir Drogenhandel nicht tolerieren“, sagt Giffey am Ende des Rundgangs.

Nach 45 Minuten hat der Innensenator genug gesehen. Die Probleme könnten nicht in einigen Wochen gelöst werden, aber die Lage sei erkannt, sagt er, steigt in seinen Dienstwagen und fährt zum nächsten Termin. Am S-Bahnhof Neukölln ist wieder Alltag.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

4 Kommentare

Neuester Kommentar